Der Testdurchlauf – 4 Tage, 80 km und viele Erfahrungen reicher!

Der Testdurchlauf – 4 Tage, 80 km und viele Erfahrungen reicher!

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Die Packliste ist geschrieben, die Sachen gerichtet, der Kameraakku geladen, alles ist irgendwie in den Packtaschen untergekommen – fast alles: Steffens Schlafsack muss noch irgendwo draufgebunden werden… und so kanns losgehen zum Stall – nur haben wir kein Auto und die Packtaschen passen nicht aufs Fahrrad. Glücklicherweise hat uns aber eine nette Stallkollegin mit Ihrem Auto mitgenommen. So konnten wir dann die beiden Hauptakteure von der Weide holen. Max hatte sich extra dick paniert und im hintersten Eck der Weide versteckt, sodass wir gleich noch ein bisschen was zu tun hatten.

 

 

Drei Stunden Pferde putzen und packen – dann konnte es losgehen!

Schließlich sind beide Pferde geputzt und gesattelt, alle Packtaschen befestigt und der Schlafsack oben draufgebunden – nach nur 3h Arbeit. Das muss noch optimiert werden! Für heute kann aber endlich die Probetour starten! Die erste Etappe führt uns zunächst über den Bodanrück am Bisongehege vorbei Richtung Bodmann. Unterwegs finden wir so viele Sachen, dass wir uns ärgern überhaupt eigene Sachen mitgebracht zu haben: Einen Waschbeutel, einen Schlafsack, einen Fleecepulli…

 

 

Schon am ersten Tag finden wir unzählige nützliche Dinge

Den Schlafsack nehmen wir dann auch mit – den liegen zu lassen wäre wirklich zu schade! Unterwegs hilft Max Steffen mehr oder weniger produktiv den Weg zu finden, während Vroni mit Apollo gegen pferdefressende Baumstümpfe kämpft. Nach einer ausgiebigen Futterpause geht es dann nach Stahringen – hier wollten wir hin, damit Vroni sagen kann, dass sie auch mal mit dem Pferd zur Arbeitsstelle geritten ist. Die Arbeitskollegen fanden das natürlich auch amüsant und haben sich das Spektakel mal aus der Nähe angesehen.

 

Erster Zwischenstopp: Vroni’s Firma in Stahringen

 

Weiter gehts Richtung Wahlwies

Anschließend sind wir noch zum Dorfbrunnen gelaufen, um die Pferde zu tränken. Als die gerade fertig waren hörten wir in der Ferne noch weitere Hufe – und eine andere Reiterin kam auf ihrem Pferd mit einem zusätzlichen Packpferd auf uns zugelaufen. Da hat man in seinem Leben vielleicht einmal bisher einen Wanderreiter gesehen und prompt, wenn man selbst als solcher unterwegs ist, begegnet einem ein solcher! Schon ein großer Zufall. Da die Pferde sich jedoch nicht kennen und an der Orstdurchgangsstraße sowieso nicht gänzlich entspannt sind können wir uns nur über 20m Distanz durch rufen grüßen – hier wurde mir klar, dass man auf so einer Tour wohl weniger mit anderen Wanderreitern in Kontakt kommen kann, als wenn man ohne Pferd unterwegs wäre. Schade eigentlich – da sind Wanderreitstationen gerade umgekehrt. Beim Weiterlaufen finden wir noch Himbeeren, Brombeeren und abgeschnittene Büsche, aus deren Ästen wir acht Zaunpfosten schnitzen. Voll beladen ging es dann weiter nach Wahlwies. Wir hatten uns schon einen Fluss ausgeguckt, an dem wir einen möglichen Übernachtungsplatz suchen wollten. Das klappte auch auf Anhieb, jedoch ist das nicht ganz selbstverständlich, da es viele Dinge zu beachten gibt.

 

Das zeichnet den perfekten Lagerplatz aus:

  1. Die Nähe zu einem Gewässer, welches Trinkwasser für uns und die Pferde liefern kann.
  2. Ausreichend Weidefläche für die Pferde, um Ihren Energiebedarf zu decken.
  3. Flache, weiche Stellen in der Weide, auf denen sich die Pferde wälzen und zum schlafen hinlegen können.
  4. Eine nahegelegene ebene Stelle, um ein Zelt aufzustellen.
  5. Ein natürlicher Wind- und Witterungsschutz für die Pferde auf der Weide.
  6. Ein geeigneter Untergrund, auf dem die Pferde gut laufen und stehen können, in den man aber auch Zaunpfosten stecken kann.
  7. Die Weidefläche sollte nicht landwirtschaftlich genutzt sein, außer man hat davor den zuständigen Landwirt um Erlaubnis gefragt.
  8. Die Fläche darf nicht unter Naturschutz stehen.
  9. Bestimmt noch mehr, aber das lernt man erst noch 😉

 

Die ersten beiden Punkte decken die Grundversorgung mit Wasser und Nahrung, die nächsten vier Punkte stellen sicher, dass sich alle in der Nacht entspannen können. Die letzten Punkte sind aus unserer Sicht so gewählt, dass man niemandem schadet und so Ärger vermeidet.

 

Unser erstes Etappenziel ist erreicht!

 

Bei unserem ersten Lagerplatz scheinen alle Kriterien zu passen und wir können mit dem Aufbau beginnen. Die Pferde dürfen zunächst frei grasen auf einem Randstreifen, der größtenteils nicht in der Weide für nachts liegt, sodass dort noch genug Futter steht. Währenddessen baut Vroni das Zelt und Steffen den Zaun auf. Ein toter Baum dient als improvisierter Sattelständer und der gefundene Schlafsack als Feuchtigkeitsschutz für die Sättel. Mit einem Falteimer können die Pferde mit Flusswasser getränkt werden, für uns kochen wir das Wasser noch auf und machen Polenta mit Karotten. Trinkwasser für den nächsten Tag kochen wir auch schon ab.

Nach einer Nacht eher leichten Schlafs wecken uns die Sonnenstrahlen und das Hufklappern und Schnauben der Pferde. Und so starten weitere Tage, die wir ganz mit unseren Pferden verbringen können.

Unterwegs orientieren wir uns nach Trinkbrunnen in Dörfern, um unsere Vorräte aufzufüllen und den Durst der Pferde zu stillen, kaufen einen Kürbis fürs Abendessen, sammeln viele Äpfel, Zwiebeln, Himbeeren, Birnen, Kartoffeln, Paprika… welche wir unterwegs auf Müllhäufen an Feldrändern oder an wilden Bäumen/Sträuchern finden, und vor allem grüßen wir viele Kinder aber auch Erwachsene, die ganz begeistert sind, wenn man mit zwei Wanderreitpferden am Spielplatz in der Stadt oder an ihrem Haus vorbeikommt. Die Kulisse mit den Hegau-Vulkanen, den Ruinen, den vielen Maisfeldern und dazu der Sonnenschein sind traumhaft.

 

 

Nicht immer waren die Wege einfach…

Neben den zahlreichen schönen Momenten gab es auch einige, welche unsere Nerven auf die Probe stellte. Nicht nur einmal endete unser Weg plötzlich im Nichts oder vor einem steilen Abhang. In diesen Situationen mussten wir das Risiko mit Bedacht abschätzen, um uns und unsere Pferde nicht in Gefahr zu bringen. Am dritten Tag endete unser Weg beispielsweise plötzlich direkt vor einer Autobahn. Links, ein Weg der 100% in die falsche Richtung führte (und das für mehrere Kilometer) und rechts ein Fluss der unter der Autobahn hindurchführte. Auf den ersten Blick war nur Gestrüpp zu erkennen, aber dann entdeckte Steffen einen schmalen, zugewucherten Weg über den Flusstunnel. Provisorisch entbuschte er den schmalen Streifen mit Stöcken und führte die Pferde nacheinander über den Fluss. Rechts von ihnen der 3m tiefe Abgrund zum Fluss, links ohrenbetäubender Lärm von der Autobahn. Man merkte allen die Anspannung an, aber Steffen und die Pferde meisterten die Situation mit Bravour.

 

Wir alle haben viel gelernt – Apollo für seinen Teil: Wie man Äpfel und Mais selbst ernten kann!

 

Apollo lernt Äpfel aus Bäumen zu pflücken, Maiskolben zu fressen und durch Bäche zu gehen, Max begnügt sich mit Gras und den heruntergefallenen Äpfeln. Mittagspausenweideplätze finden wir immer leicht, die Nachtlagerplätze haben wir uns ja bereits davor ausgeguckt, stellen aber häufig fest, dass wir erst sehr spät morgens wirklich loskommen und so auch eher spät wieder ankommen – die Nachmittagsetappen ziehen sich immer länger hin. Wir stellen fest, dass es sinnvoll ist, das Zelt auf der Westseite einer Lichtung/Wiese zu platzieren, sodass die Sonne morgens früher darauf scheint, wodurch wir einerseits von den Sonnenstrahlen geweckt werden und andererseits das Zelt früher packfertig trocken ist. Andernfalls bleibt sehr lange der Tau, was bei Einpacken zu Modern führen kann und außerdem zusätzliches Gewicht darstellt. Wir verbessern auch den morgendlichen Packvorgang und überlegen uns weitere Optimierungsmöglichkeiten, welche wir bis zur richtigen Tour umgesetzt haben wollen. Wir haben sehr wertvolle Erfahrungen gesammelt und vieles gelernt und uns überlegt, was uns für unsere große Tour helfen wird – genau so, wie wir uns das erhofft hatten.

 

Die schönsten Momente waren am Morgen, wenn die Sonne zwischen den Bäumen hervorspitzte und die Pferde friedlich auf der Weide grasten!

 

Zurück bleiben zahlreiche unvergessliche Erinnerungen, aber auch offene Fragen. Einer der Punkte, welche uns noch beschäftigen ist, ob wir die 20km jeden Tag schaffen können, ohne dabei uns selbst unter Druck zu setzen – deswegen überlegen wir gerade, die Route ein wenig abzuändern. Immerhin wollen wir die Zeit unterwegs aktiv genießen können und nicht von einem Schlafplatz zum nächsten hetzen.

 

Hier gibts noch mehr Fotos von der Probetour!

 


 

Das haben wir in den vier Tagen gelernt:

  • Täglich sollten wir ca. 1 Stunde für die Wasserbeschaffung eingeplanen – es braucht Zeit pferdefreundliche Zugänge an Flüssen oder Dorfbrunnen zu finden! Mehr als man denkt 😉
  • Das Packsystem sollte vorab optimiert werden – am besten in Sinneinheiten packen, d.h. Dinge die man zum Kochen braucht in eine Schicht, Klamotten aufteilen in Wechselklamotten und Schlafklamotten, Sachen die man nur selten braucht ganz unten in die Taschen, usw. – sonst muss man das Gepäck jeden Abend in Einzelteile zerlegen.
  • Wir lieben unseren Falteimer! Ohne diesen wäre unser wasserscheuer Apollo wohl verdurstet 😀
  • Genug zeitlichen Puffer einplanen! Es gibt nichts demotivierenderes als unter Zeitdruck ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Lieber sitzt man mal eine Stunde nur rum und schaut den Pferden beim Grasen zu als ans Ziel zu hetzen – das macht viel mehr Spaß :)
  • Das Lager nach Osten hin offen aufbauen – so kann die Sonne am Morgen aufs Zelt scheinen und man muss das Zelt nicht klatschnass einpacken.
  • Zaunpfosten aus Holz sind vielleicht doch nicht die finale Lösung. Ideal wären Zaunpfosten welche man zusammenklappen kann – wir denken über Zeltstangen nach.
  • Sinnvollerweise sollte man Trinkwasser für 2 Tage dabei haben – sonst ist man jeden Tag ewig mit der Trinkwasserbeschaffung beschäftigt.

 

 

 

Welche Erkenntnisse hattet ihr auf euren Wander- oder Reittouren?

6 Antworten

  1. Hallo ihr Beiden,
    ich finde es ziemlich cool was ihr macht. Allerdings stelle ich mir die Frage, wie ihr das mit dem „wildcampen“ macht. Wir sind selber gern in der Natur unterwegs und biwakieren (oder Zelten) auch gerne. Wildcampen ist in DE ja grundsätzlich verboten. Ist man alleine, zu zweit oder wie wir mit unserem Hund in der Natur unterwegs, dann kann man sich ja noch gute Verstecke suchen um möglichst nicht erkannt zu werden. Wie aber macht man das mit zwei Pferde die, wie ich gelesen habe, auch bestimmte Anforderungen an das Terra haben? Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor. Immerhin grasen eure Pferde auf fremden Wiesen (meist doch Privateigentum). Wie habt ihr euch das vorgestellt auf dem Weg zum Meer? In Spanien ist ja wildcampen erlaubt, aber in Frankreich und DE ist das verboten, leider.

    Grüße
    Kathi und Michi von mikaki.de

    • Hallo ihr beiden,
      also generell ja – wildcampen verboten. Wir haben vor das so zu machen wie auf unserer Probetour – Leute fragen, die ein Stück Wiese besitzen, oder eine ruhige Ecke suchen, in der wir niemandem schaden. Das hat bisher gut geklappt. Es gibt an fast jedem Feld und Weg einen Rand, welcher nicht landwirtschaftlich genutzt wird, sondern lediglich alle paar Monate gemulcht wird vom Bauern. Der wird benötigt um mit den Maschinen zu wenden, um das Feld in ganzen Bahnen bearbeiten zu können. Auf diesen Streifen hat eigentlich niemand etwas degegen, wenn man ihn abfressen lässt. Das Problem ist leider, dass es aber auch Leute gibt, die dann auf ihrem Recht beharren und einem verscheuchen, obgleich sie die Wiese selbst auch nur mulchen oder einfach ihrem Schicksal überlassen würden. Falls wir diesen begegnen werden wir uns einfach eine andere Stelle suchen. Wenn wir aber für mehrere Tage irgendwo rasten wollen werden wir auf jeden Fall schauen, dass wir vom Besitzer die Erlaubnis haben, da dann der Boden schon intensiv strapaziert wird (während bei einer einzelnen Nacht die Stelle nach etwa einer Woche wieder wie davor ist, wenn man seinen Müll ordentlich einsammelt und die Pferdeäpfel verteilt oder ins nächste Gebüsch schmeißt (ansonsten trocknen die von oben her ein und brauchen ewig zum verrotten). Also kurz: mit gesundem Menschenverstand und Respekt an die Sache rangehen, dann ist einem meist niemand böse.
      Liebe Grüße – und viel Spaß beim GeoCachen 😉

  2. Hallo ihr zwei. Zwecks Paddockabsteckung kann ich folgendes raten bzw werde es selbst nächstes Jahr testen. Es gibt sogenannte „Wanderreitzäune“ die bestehen aus Teleskopstangen,Litze und Batterien für Strom. Sind ca 40x20cm groß als gepackte Tasche.
    Ich plane nämlich mit einer Freundin einen Wanderritt von München ins Rheinland nächsten April. Da wollen wir das mitnehmen. Lg Eva

    • Hallo Eva,
      wir hatten auch eine Idee in diese Richtung – Stücke von alten Zeltstangen als Pfosten zu nehmen, sodass man sie einmal in der Mitte klappen kann, da ganze Pfosten schon sehr sperrig sind. Ich habe gerade mal gegoogelt und sowohl das Set zum Kaufen als auch ein paar Bastelanleitungen gefunden – mal sehen (mein Bastlerherz sagt „Selber machen!“) – Danke für den Tipp! Ein kleines Zaungerät haben wir uns schon besorgt – auch batteriebetrieben, soll aber idealerweise noch auf Solarakku umgebastelt werden 😉
      Liebe Grüße und viel Spaß bei eurem Wanderreitabenteuer!

  3. Ein wunderschöner Blog. Ich bin gespannt auf Neues von eurem Abenteur.

  4. Super genial! Ich freue mich auf mehr von euch und so kann ich den Gold-Plüschi auch ein bisschen sehen ???
    Weiterhin gutes Gelingen und viel Spaß und Freude!

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