Das Packsystem ist kaputt – 6 km vor der französischen Grenze

Das Packsystem ist kaputt – 6 km vor der französischen Grenze

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Vier Tage haben wir von Freiburg zur französischen Grenze geplant. Die ersten drei Tage verliefen gut. Doch am vierten Tag passierte dann das Desaster.

Aber mal von vorne…

Samstag 15.04.2017:

Endlich sind wir wieder unterwegs! Sage und schreibe um 15 Uhr sind wir an diesem Tag vom Junghof Kappel in Freiburg gestartet. Natürlich regnete es heute, nachdem die Tage zuvor fast ununterbrochen die Sonne geschienen hat. Aber das störte uns nur wenig. Zu groß war die Freude endlich wieder unterwegs zu sein! :)

Bereits wenige Stunden später hatten wir einen traumhaft schönen Blick über die Rheinebene nach Frankreich rüber. „Kuck mal, in bereits drei Tagen werden wir da drüben in Frankreichs ein“, sagte ich und grinste Steffen an, während ich in die Ferne deutete. Wer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass drei Tage später alles anders kommen würde.
Auch an diesem Abend fanden wir einen tollen Schlafplatz bei einem ländlich gelegenen Hof. Am Abend gabs frisches Gemüse mit Suppennudeln und für die Pferde Hafer mit Mineralfutter. So ließen wir den Tag ausklingen.

 

Sonntag 16.04.2017 & Montag 17.04.2017:

Am nächsten Morgen kam der Bauer mit seinem Quad vorbei und brachte uns einen Liter frische Büffelmilch! Die hat wirklich richtig lecker geschmeckt! Büffelmilch schmeckt im Vergleich zu Kuhmilch deutlich süßer und ist auch nahrhafter. Nicht mal eine Stunde später, brachte uns der Vater des Bauerns einen liebevoll gerichteten Osterkorb mit vielen Leckereien direkt zu unserem Zelt. Frischer Kaffee, Milch, Zucker, Eier und Schokolade waren in dem Körbchen. Wir haben uns riesig gefreut und die Leckereien mit dem grösten Vergnügen vernascht. Währenddessen wärmten wir die Pferde mit den Woilaches, welche wir als Pferdedecken umfunktioniert haben.

Nach einem so leckeren Frühstück konnte es dann weiter gehen. Die Route führte uns durch eine tolle Hügellandschaft, vorbei an Staufen und Badenweiler bis nach Lipburg. Unterwegs querten wir eine Allee in der alle Bäume rosa blühten und die Straße fast komplett mit rosafarbenen Blütenblättern tapeziert war. Zudem erhielten wir eine Menge netter Besuche von Steffens Verwandschaft und Eltern, welche uns mit Handschuhen, fehlender Zaunschnur, frischen Croissants, Brötchen, Marmelade, heißen Tee und Hefehäschen versorgten.

 

In Lipburg angekommen wurden wir schon von engen Bekannten erwartet. Die Pferde bekamen eine große Weide direkt neben dem Haus mit Heu und Wasser. Wir durften uns sogar im Haus aufwärmen und bekamen neben einer heißen Dusche sogar ein warmes Abendessen! Nach einem so kalten und regnerischen Tag wie heute war das der pure Luxus!

 

Dienstag 18.04.2017:

An diesem Morgen sind wir besonders früh aufgestanden, da wir noch ein paar Dinge an unserer Ausrüstung optimieren wollten. Nach getaner Arbeit putzten und sattelten wir wie jeden Tag unsere Pferde und diskutierten darüber, welches der Pferde heute das Gepäck tragen soll. „Max hatte schon die letzten drei Tage das Gepäck, lass uns heute Apollo als Packpferd nehmen“, meinte ich und Steffen stimmte mir ohne Widerrede zu. Also packten wir das Gepäck auf Apollo, kontrollierten nochmal alle Riemen und zogen los.

Im Wald übten wir fleißig Französisch, da es ja nur noch 6 Kilometer bis zur Grenze waren. „Est-ce que vous avez un pré ou notre chevaux et nous pourrions passer la nuit?“, wiederholte ich immer wieder in meinem gebrochenen Französisch. Und dann passierte es. Aus dem Nichts erschreckte sich Apollo und wurde plötzlich panisch. Ich blickte über meine Schulter und sah wie sich das Gepäck zur Seite verrutscht hatte. Apollo hat das so viel Angst gemacht, dass er angefangen hat wie ein Rodeopferd zu buckeln, um das inzischen seitlich hängende Gepäck loszuwerden. Voller Kraft und Panik riss er sich vom Strick los und rannte buckelnd davon. Ich blieb wie versteinert stehen und sah dabei zu, wie das Gepäck nach und nach wie Bonbons aus Faschingsumzugswägen durch den kompletten Wald geschleudert wurde. Die Taschen wurden komplett in Fetzen zerissen und fast nichts blieb mehr darin. Ich betete innerlich, dass Apollo sich beruhigen und irgendwann von selbst stehen bleiben würde. Es klingt komisch, aber ich war froh, als er es ca. 300 m später geschafft hatte, das gesamte Gepäck abzubocken. Nur noch der Sattel hing einmal komplett gedreht an ihm. Stark verunsichert und panisch blieb er irgendwann stehen und wierthe nach Max. Als ich zu ihm gelaufen war redete ich ihm gut zu und versuchte ihn zu beruhigen. Nachdem wir den umgedrehten Sattel endlich abbekommen haben (das ist in dieser unnatürlichen Haltung gar nicht so einfach!), wurde Apollo innerhalb von Sekunden deutlich ruhiger. Wir banden die Pferde an nahegelegene Bäume und standen dann erst mal minutenlang vor dem in Einzelteile zerlegten Gepäck und begutachteten fassungslos das ganze Desaster.

Das in liebevoller Handarbeit gefertigte Packsystem war komplett zerfetzt. Wenn man es nicht weiß, wäre man wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen, dass dieses löchrige Stück Stoff gerade mal 5 Minuten zuvor noch Taschen waren. Auf dem Waldboden lag der komplette Inhalt der Taschen auf ca. 100 m verstreut. Verschiedene Lebensmittel waren durch den Sturz aufgeplatzt, der Topf verdellt und unser wasserdichter Sack gerissen.

 

Zum Glück haben die Pferde, unser Zelt und die Schlafsäcke den kleinen Zwischenfall ohne Schaden überstanden. Nach dieser Bestandsaufnahme atmeten wir erleichtert auf. Klar ist das sau doof, dass wir nun ein neues Packsystem konstruieren müssen, aber es hätte schlimmer kommen können!

Während wir die Einzelteile unseres Gepäcks einsammelten überlegten wir, wie es nun weitergeht. Fakt ist, wir brauchen ein neues Packsystem und eine gute Unterkunft für die Pferde in der Zeit, in welcher wir dieses neu bauen. Wir beschlossen die Pferde zurück nach Lipburg zu bringen, an den Stall an welchem wir auch die Nacht zuvor waren. Dort wurden wir zum Glück sehr nett und hilfsbereit aufgenommen! Wir selbst fuhren noch am selben Abend nach Freiburg zurück, da wir von dort aus am Besten das neue Material besorgen können.

Für die Pferde haben wir am nächsten Tag eine wirklich schöne Weide hergerichtet, auf welcher sie die nächsten Tage bleiben konnten und von verschiedenen Leuten in Lipburg umsorgt wurden. Danach machten wir uns direkt daran, eine Konstruktion für ein neues Packsystem zu entwickeln. Wir wollen die Taschen diesmal auf jeden Fall aus einem robusteren Material machen. Zudem sollen die Taschen diesmal weniger am Sattel rutschen können und die gesamte Konstruktion stabiler sein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir das Material innerhalb von wenigen Tagen in Freiburg besorgen können.

 

Wie die neue Konstruktion aussehen wird und wie sie sich in der Praxis bewährt werden wir euch in unserem nächsten Blogeintrag verraten! Wir hoffen am kommenden Dienstag wieder starten zu können. Bis dahin sind wir fleißg am nähen, knoten und tüfteln! :)

 

8 Antworten

  1. Oh je, mit den Bildern kann ich mir euer Abendteuer noch besser vorstellen. Das ist ein echter Schock aber ihr packt das!

  2. War gerade mal bei Euch vorbei schauen. Hey! Tausend Daumen gedrückt und gut, dass nichts weiter passiert ist.
    Liebe Grüße Steffi Lampert vom Langenrain Stall mit der alten Criollo Madame La Pozzora
    Alles Liebe….

  3. Oh jeh! Zum Glück sind es „nur“ Materialschäden…..
    Solche Zwischenfälle bleiben einem noch besser in Erinnerung ?!
    Hoffentlich könnt ihr bald mit neuen Satteltaschen weiterziehen ?

  4. Zum Glück ist dem Pferd nichts passiert! Gepäcktaschen kann man ersetzen.

  5. Manuela Huber

    Oh man, das kriegt ihr hin,jetzt seid ihr noch in der Nähe und habt noch etwas Unterstützung, ihr schafft das

  6. Hallo ihr vier…..

    Finde es toll was ihr da geleistet habt.
    Chapeau………..
    LG silvio

  7. Hallo,
    Bin erleichtert, dass Mensch und Tier nichts passiert ist.
    Weiterhin viel Glück und Danke, dass wir per Blog an eurer Reise teilnehmen dürfen.
    Michèle

  8. Ihr Lieben… wie geht es Euch? Seid ihr wieder los? Berichtet mal! LG aus dem Taunus

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