Sonne, Hitze und die ersten Verletzten

Sonne, Hitze und die ersten Verletzten

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Zehn Tage haben wir uns im wunderschönen Vacheres ausgeruht, nun geht es weiter Richtung Pyrenäen!

Den ersten Tag haben uns Steffens Tante und eine Freundin mit ihren Pferden ein Stück begleitet. Danach führte uns der Weg auf eine ehemalige Eisenbahnstrecke, welche sich pott eben und sagenhaft schön an einem Fluss entlangschlängelte.

Seit wir das Vercors überquert haben hat sich auch das Wetter signifikant geändert. Unsere Tage sind inzwischen geprägt von Sonne und unfassbarer Hitze, welche man ab spätestens 14 Uhr nur noch im Schatten (40 Grad) oder im Fluss (30 Grad) ertragen kann. Wir sind folglich gezwungen unseren Tag nun bereits um 5 Uhr morgens zu beginnen, um die Kühle des Vormittags nutzen zu können. Meistens sind wir dann gegen 7 Uhr unterwegs und können gegen 12 Uhr bereits nach einem Nachtlager suchen. So früh aufzustehen ist für uns Langschläfer gar nicht so einfach, aber es hat auch viele Vorteile. Man sieht beispielsweise jeden Morgen den Sonnenaufgang und da man so früh nach einem Nachtlager sucht, kann man den ganzen Nachmittag entspannen und das machen, worauf man gerade Lust hat. Beispielsweise am Fluss mit den Pferden Baden gehen! In solchen Momenten ist die Hitze schnell vergessen!

An einem dieser heißen Tage hatten wir das große Glück an einen besonders schönen Fluss zu kommen. Am Rand gab es eine große Sandbank, welche in ein tiefes Becken führte. Perfekt um dort mit den Pferden schwimmen zu gehen! Wir waren ganz überrascht, dass der sonst so wasserscheue Apollo total gerne in dem kühlen Nass seine Kreise zog. Ohne Widerstand hat er sich bis zum Kopf in das Becken führen lassen und ist mit mir sogar einige Meter geschwommen. Max hingegen hat das Prinzip „Schwimmen“ leider überhaupt nicht verstanden. Zwar hat auch er sich im Wasser wohl gefühlt, aber sobald er so tief im Wasser war, dass er hätte schwimmen müssen, ist er stattdessen einfach am Flussboden weitergelaufen, so dass irgendwann nur noch seine Ohren rausgekuckt haben. Dass er seinen Kopf zum Atmen über Wasser halten muss hatt ihm bis dato wohl noch niemand verraten. Aber vielleicht lernt er das ja noch. 😉

Auch Nachts ist es noch so heiß, dass wir inzwischen dazu übergegangen sind einfach draußen auf einer Plane schlafen. Ich für meinen Teil habe mich an diese Schlafweise allerdings noch nicht gewöhnt, da ich bei jedem kleinsten Rascheln panisch aufschrecke und mir ausmale wie gerade Schlangen, Kröten, Wildschweine und Wölfe unseren Lagerplatz überfallen. Meistens stelle ich nach ca. 30 Minuten ausgibiger Recherche irgendwann fest, dass es doch nur unsere Pferde oder der Wind waren. Man bekommt ohne Zelt einfach viel mehr mit, was zum einen schön, aber zum anderen auch sehr nervig und beängstigend sein kann. Insbesondere wenn man eine so lebhafte Phantasie hat wie ich! 😉

Durch die Hitze und Trockenheit hat sich auch das Futterangebot verändert. Die Wiesen sind zum größten Teil ausgedörrt und meistens steht nur noch trockenes, langes, dürres Gras, welches unsere beiden Pferde gar nicht toll finden. Zudem fressen sie inzwischen nur noch nachts und somit maximal 3-4 Stunden am Tag. Das alles führt dazu, dass wir nun doch mit Kraftfutter zufüttern müssen. Oben drauf gibts für beide jeden Tag Salz oder eine Hand voll Mineralfutter, da sie durch die Hitze deutlich mehr Mineralien ausschwitzen.

Auch die Wasserversorgung ist für uns ein wichtiges und alltägliches Thema geworden. Für uns selbst brauchen wir inzwischen mind. 10 Liter am Tag (4 l pro Person zum Trinken und 2 l zum Kochen). Das Trinkwasser für uns erfragen wir meistens in Dörfern und füllen unsere Flaschen dann an den Häusern oder Trinkwasserbrunnen auf. Das Wasser für die Pferde finden wir an Bächen, Zisternen und Brunnen, welche wir mind. drei mal am Tag aufsuchen müssen, damit die Pferde ihren Durst stillen können.

Um dieses enorme Wasserbefürfnis der Pferde gerechtermaßen stillen zu können suchen wir derzeit jede Nacht einen Lagerplatz am Fluss. Schön ist es da schon, aber es hat leider auch eine Millionen Stechmückenviecher! Für die Pferde bauen wir dann Büsche in die Weide mit ein, in welchen sie die Fliegen einfach abstreifen können. Auf diese Idee hat uns Max eines Tages gebracht, als er absichtlich durch die dichtesten Büsche der ganzen Weide gepflügt ist, um die Fliegen loszuwerden.

Die erste Woche seit wir in Vacheres wieder losgelaufen sind haben wir auf diese Weise trotz der Hitze richtig genossen!

Tja und dann kam der gestrige Tag mit gleich zwei Verletzten. Gestern war mit Abstand der bisher heißeste Tag und wir konnten leider erst recht spät starten, da wir noch im Supermarkt vorbei schauen mussten, welcher erst um 8:30 Uhr aufgemacht hat. Dementsprechens spät sind wir an diesem Tag gestartet. Da die Hitze so unerträglich wurde, haben wir schon nach 5 km beschlossen ein Nachtlager zu suchen. Gefunden haben wir einen schattigen, verlassenen Terassenhang, auf welchem zur Abwechslung sogar richtig grünes Gras stand. Als wir die Pferde abgepackt hatten begannen wir wie jeden Tag damit, die Weide aufzubauen. Mit den kleinen Steinmauern, welche zwischen den Terassenstücken gebaut waren, war das gar nicht so einfach. Steffen ist aber trotzdem übermütig von einer Steinmauer zur nächsten gehopst und genau dann ist es passiert. Als er von einer der Mauern runtergesprungen ist, hat er einen Stein nicht gesehen welcher im hohen Gras lag und ist richtig fies umgeknickst. Er schrie laut auf und hopste auf einem Bein weiter. „Der ist sicher gebrochen!“, sagte er mit schmerzverzogener Stimme. So schmerzvoll wie er aussah vermutete ich ebenfalls das Schlimmste. Wir humpelten zum Lagerplatz zurück und versuchten den anschwellenden Knöchel zu kühlen. Gar nicht so einfach, wenn einfach alle Gegenstände welche man dabei hat gefühlte 40 Grad haben. Mit einem nassen Handtuch haben wir uns dann vorerst beholfen.

Später sind wir dann noch zum nahegelegenen Fluss gehumpelt. Zum einen um den Fuß zu kühlen und zum anderen um unsere Pferde zu tränken. Da der Zugang zum Wasser für Pferde zu schmal war, schleppte ich einen Wassereimer nach dem nächsten den kleinen Hang hinauf, wo unsere Pferde angebunden warteten. Und genau dann passierte das nächste Malheur. Apollo fand es absolut ungerecht, an einem Baum angebunden zu sein, wo es doch hinter ihm so viel grünes Gras hatte. Entsprechend hampelte er herum und als ich gerade wieder unten am Fluss war verhedderte er sich in seinem Strick, welcher über ihm an einem langen, dehnbaren Ast angebracht war. Er verwurschtelte sich so stark mit allen Beinen, dass er irgendwann am Boden lag und sich nicht mehr rührte. Zum Glück ist der Ast gebrochen und wir konnte ihn recht schnell befreien. Vorsichtig halfen wir ihm auf, beruhigten ihn und kontrollierten seine Beine und sahen, dass er sich in der Fessel am Hinterbein erneut verletzt hatte. Ein paar Wochen zuvor hatte er sich schonmal im Strick mit diesem Bein verheddert und sich eine tiefe Schürfwunde zugezogen. Gerade war diese wieder super verheilt und nun dieser Rückschlag…

Klar, dass man sich in diesen Momenten dann Vorwürfe macht à la: Hätte man blos. Das macht die Dinge aber nicht ungeschehen und man muss das nächste mal einfach vorsichtiger sein.

Wir werden uns die Zeit nehmen, bis unsere beiden Verletzten wieder wohl auf sind und dann weiter ziehen. Steffen war gerade im Krankenhaus und hat seinen Fuß untersuchen lassen. Es ist zum Glück nichts gebrochen oder gerissen und der Arzt meinte, dass die Verletzung in ein paar Tagen wieder verheilt sein sollte. Zum Glück also alles halb so schlimm! :)

6 Antworten

  1. Susanne Frey

    Gut Besserung Euch beiden Einfach diese Zwangspause geniessen.

  2. Hallo,ihr meistert das super, wünsche euch viel Kraft und gute Besserung!

  3. Gute Besserung für die beiden Verletzten. Wir sind ab dem 07.08.2017 im Ort Marseillan Plage im Urlaub. Lt. Eurer Route kommt ihr knapp daran vorbei. Solltet ihr dringend etwas benötigen, lässt es mich wissen! michaelaschwarzer@gmx.de

  4. Da habt ihr ja richtig Glück im Unglück gehabt. Und wie es ausschaut seit ihr schon wieder unterwegs. Wünsche euch viele saftige Weiden und genügend kaltes Wasser zum Baden. Und natürlich Temperaturen unter 30 Grad

  5. Salut ihr vier. Haben gerade zum ersten Mal in euren Blog reingeschaut und haben eure Geschichten mit viel Spannung verfolgt. Wir hoffen, die Verletzungen sind auskuriert und euch geht es gut. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr auch gerne auf unserem Blog on-y-va.org vorbeischauen. Liebe Grüße

  6. Karin Hansen-Vincon

    Hallo ihr beiden, ihr macht das alles ganz toll, ich hoffe, die Beine heilen schnell und gut. Ich freue mich auf euern nächsten Bericht. Die Seite ist sehr schön gestaltet und die Fotos von prima Qualität.

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