1000km und die Pyrenäen in Sichtweite

1000km und die Pyrenäen in Sichtweite

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Es ist wieder viel passier seit dem letzten Blogeintrag. Die Verletzungen von welchen wir damals berichtet hatten sind inzwischen fast vergessen, aber wie es eben so ist wird einem trotzdem nicht langweilig…

Nach der langen Hitzeperiode kam endlich die ersehnte Abkühlung

Nachdem wir im Rhonetal und bei der Ardeche mit extremer Hitze zu kämpfen hatten, peilten wir also höheres Gelände an, da wir uns dort Abkühlung erhofften. Pünktlich zu unserem Aufstieg kam dann auch der Wetterwechsel, welcher kühlere Temperaturen und Regen in ganz Frankreich mit sich brachte. Die Kombination war dann doch etwas mehr als wir uns erhofft hatten: bei 5°C, Nieselregen und einer steifen Briese aus Südwest kämpften wir uns über den bis dato höchten Punkt unserer Tour: den Moure de la Gardille auf über 1500m. Ähnlich unvorhersehbar präsentierte sich der weitere Tagesverlauf – nach einem steinigen Abstieg gelangten wir bei wolkig-sonnigem Wetter auf eine traumhafte Hochebene, wo wir uns erholen konnten. In der Ferne allerdings braute sich unterdessen ein Gewitter zusammen, welches sich natürlich zu uns gesellen wollte. Im Stechschritt haben wir die nächstbeste Möglichkeit für ein Nachtlager aufgesucht – die Wahl fiel auf einen nichtgenutzten Feldweg, welcher von Gräsern und Büschen überwachsen war. Im Rekordtempo wurden Zelt, Weide und Planen auf dem Gepäck installiert, bevor es anfing heftig zu gewittern. Wider der Gebrauchsempfehlung wurde das Essen im Vorzelt mit dem Gaskocher zubereitet – wobei natürlich im eigenen Interesse auf eine gute Belüftung geachtet sowie auf kleiner Flamme gekocht wurde. Es war ein echtes Aprilwetter – mitten im Hochsommer.

Nach einer mäßig erholsamen Nacht konnten wir am Morgen dann endlich auf Besserung hoffen, welche aber beim ersten Blick aus dem Zelt enttäuscht wurde: Nebel hüllte die matschigen Wiesen und nassen Bäume in ein einheitliches Grau und das war es auch – die Pferde waren nämlich nicht zu sehen.

Am nächsten Morgen waren unsere Pferde weg…

So waren wir doch trotz Schlafmangels relativ früh hellwach. Schnell in die Kleider gesprungen ging mit leerem Magen und verklebten Augen die Spurensuche mit einem Riegel für uns sowie etwas Hafer für die Pferde los: Wir fanden einen zerrissenen Stacheldraht, welcher unseren Start markierte. Mit den schlimmsten Vorahnungen hinsichtlich des Gesundheitszustandes der beiden Ausreisser suchten wir nun also nach Huf- und Blutspuren. Zum Glück fanden wir nur erstere am Ende des gemähten Feldes, in welches uns der erste Fund gelenkt hatte. Die weitere Suche verlief problemlos: da der Boden weich war, die Wege erdig und alle Felder von Stacheldraht umzäunt, konnten wir im normalen Lauftempo den Hufabdrücken folgen – die von Max sind zum Glück unverwechselbar groß, sodass wir auch sicher sein konnten keinem anderen Pferd zu folgen. Die Spur führte über einige Hügel und Senken nsch Süden auf einen kleineren Berg zu. Aus der Ferne konnten wir im Nebel nicht die frischen Heuballen von Pferden unterscheiden – mit unserer blühenden Fantasie schien sogar der eine beige und der andere braun zu sein und sich zu bewegen. In der nächsten Senke lag zwischen uns und den verdächtigen Objekten ein kleines Dorf. Bevor wir es jedoch erreichten, erkannten wir auf dem Weg vor uns zwei bekannte, erwartungsvolle und sichtlich angespannte Gesichter. Mit einigen Zurufen und dem gut bekannten Geräusch des raschelnden Fresseimers, kamen die beiden dann auf uns zugetrabt. Wir freuten uns riesig die zwei Ausbüxer wiedergefunden zu haben und stellten nach einer ausführlichen Musterung erleichtert fest, dass beide weitestgehend unversehrt waren. Jediglich Max hatte ein paar Kratzer an seiner Brust, welche zum Glück aber nicht tief waren. Triefnass aber erleichtert gingen wir den Rückweg von 4 Kilometern an. Mit der Zeit entspannten sich auch unsere Pferde wieder. Die stürmische Nacht und der Ausbruch haben sie wohl sehr aufgekratzt.

Ein schnelles Frühstück, eine Reparatur des Stacheldrahtes – und weiter gings, als wäre nichts passiert. Solche Sachen passieren und wir können im Nachhinein darüber lachen, da niemand zu Schaden kam – und doch haben wir wieder einiges über die Pferde und das Wetter gelernt.

 

Traumwiese gesucht, Traumwiese gefunden!

Nach weiteren etappenweisen Abstiegen auf tiefere Ebenen und Talquerungen bahnte sich Veronikas Geburtstag an. Mithilfe von Google Maps, Outdooractive und GeoPortail suchten wir eine passende Wiese für diesen Tag – schöne Aussicht sollte man haben, Sonnenauf- sowie Untergang sehen und ruhig sollte es dort sein. Die Wahl fiel auf den Montplos, welcher im Umkreis von 20km nur von wenigen anderen Hügeln Konkurrenz bekommt. Dort angekommen überwältigte uns die Aussicht und übertraf alle Erwartungen. Blieb nur noch der Besitzer einer geeigneten Wiese zu finden und auf seine Erlaubnis zu hoffen. Nach einiger Suche fand sich dieser dann auch und entpuppte sich als extrem herzlicher und fürsorglicher Gastgeber. Einige Eindrücke wollen wir euch nicht vorenthalten:

 

1000km!!! …

Ein paar Tage später erreichten wir einen weiteren großen Meilenstein: unser GPS hatte fleißig die bisherige Route aufgezeichnet und zeigte nun eine vierstellige Kilometerangabe an. 1000 km haben wir geschafft!!! Wir freuten uns, diese Hürde geknackt zu haben und sinnierten über das geschaffte: seltenst waren wir mit dem Auto weiter gefahren, nie mit dem Fahrrad und jetzt hatten wir es zu Fuß und zu Pferd weiter gebracht! Wir waren stolz auf uns und unsere beiden Vierbeiner!

 

…und die Ausrüstung geht schrott.

Mit den Kilometern kommen wir natürlich dem Ziel immer näher, die Ausrüstung aber auch ihrem Neuzustand immmer ferner. So sind vor allem unsere Schuhe deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Eine Neubeschaffung oder Reklamation ist gar nicht so einfach, wenn man gerade mitten im Nirgendwo im Ausland unterwegs ist – was will man auf einer Wanderung 3 Wochen ohne Schuhe machen? Und wohin sendet man Ersatz? Wir fanden Lösungen mithilfe vieler netter Ratschläge: Vroni konnte ihre Wanderschuhe dank perfekten Kundenservice reklamieren und ein Tagesausflug nach Toulouse ist geplant, um neue Schuhe für Steffen zu organisieren. Daneben haben auch unwichtigere Bauteile ihren Streik angemeldet – so löst sich der Kamerarucksack auf und diverse Kleidungsstücke haben Löcher oder Risse.

 

Auf historischen Pfaden in den Cevennen…

Wir hatten nun nach Querung des Rhonetals das Zentralmassiv kennengelernt, zunächst bei der Passierung der Berge der Ardeche, bevor die Cevennen gestreift haben – begleitend nahm ich meine gut gehütete Lektüre in Angriff, welche unsere Vermieter uns mit auf den Weg gegeben hatten: Reise mit dem Esel durch die Cevennen von Robert Louis Stevenson, in welcher er von seiner 12-tägigen Tour im Jahre 1878 erzählt und die Kultur der Region mit Rückblick auf dessen Geschichte präsentiert. Nach seiner Route ist der berühmte Stevensontrail ausgeschildert und benannt worden. Es war sehr interessant, nachdem man selbst auf einer ähnlichen Tour Erfahrungen gesammelt hat diesen Reisebericht zu lesen. Wie es damals noch ganz andere Probleme als heute gab, etwa die wenig vorhandenen Wege und das schlechte Kartenmaterial, sodass Stevenson auf die Auskunft der Leute angewiesen war. Auch die Religion spielte damals eine deutlich größere Rolle, wobei die vorangegangenen kriegerischen Auseinandersetzungen der unterschiedlichen Glaubensrichtungen schon damald schrittweise in Toleranz und Akzeptanz übergegangen waren.

 

Als wir uns aus den Hügeln nun in die Ebene begaben zeigte sich bei guter Sicht ein traumhafter Blick: hinter uns lagen die Gipfel der Cevennen, welche gegen Süden in die des Languedoc übergingen. Diese ihrerseits liefen in unserem Süden in die Ebene vor Toulouse aus und dahinter konnten wir zum ersten mal die Pyrenäen erblicken – wenn auch nur sehr schemenhaft.

 

…bis nach Toulouse

Mit dem Abstieg in diese Ebene änderten sich auch unsere Wege: wir wählen häufiger die kleineren Landstraßen, diese sind neben dem guten Autobahn- und Nationalstraßennetz kaum befahren und führen uns doch schneller und direkter an unser Ziel – ohnehin sind bei den großen Feldern sowieso kaum Feldwege vorhanden. Inzwischen sind wir im Stadtraum Toulouse angekommen – etwas außerhalb natürlich, denn mitten in der Großstadt ist es etwas schwierig Weidefläche zu finden 😉

Und hier sitzen wir gerade und schreiben diesen Blogeintrag, während immer wieder Flugzeuge über unseren Köpfen abheben. Wir beobachten sie und philosophieren über das Reisen, die entfernten Länder und die Hektik unserer Gesellschaft.

 

Ein paar kurze Anekdoten von unseren beiden Vierbeinern

Zum Schluss gibts noch im Kurzformat kleine lustige Geschichten: Max war an einem Nachmittag besonders müde, sodass er sich – gerade abgepackt und noch angebunden – einfach hingelegt und geschlafen hat. Ein anderes Mal hatte er extrem viel Spaß, sich im Matsch zu suhlen, nachdem es den ganzen Tag geregnet hat und war anschließend mit einer Zentimeter dicken Schlammschicht überzogen.

Apollo seinerseits hat sich eines Tages in einen Weidennachbarn verguckt – einen hübschen Esel – und ihm immer hinterhergerufen. In dieser Nacht hatten wir sehr wenig Schlaf, da Apollo leider auch nachts nicht müde wurde alle 30 Sekunden zu wiehren, sodass wir ihn schließlich in einiger Entfernung anbinden mussten, um wenigstens zwei Stunden noch schlafen zu können – den ganzen Tag nach der Abreise wurde es natürlich nicht besser, sondern vielmehr schlimmer…

 

…und Schlafplätzen der besonderen Art 😉

Auch bei den Übernachtungen gab es einige lustige Situationen: Bei einem netten Pärchen durften wir im Garten schlafen und die Pferde mit unter dem Birnbaum einzäunen, wo der Boden von Birnen wirklich übersät war – am Morgen war bei Max keine einzige Birne mehr zu sehen! (In jener Nacht hatten wir sie separiert, da Apollo bei Leckerlis wie Birnen der Futterneid überfällt und Max dann herumscheucht, was die nasse Wiese in einen Acker verwandelt hätte – wir haben so unsere Erfahrungen gemacht…). Ein anderes Mal fragten wir auf Empfehlung im Rathaus nach einer Wiese der Gemeinde, was darin endete, dass ein Polizist mich im Polizeiauto durch die Stadt gefahren hat, um den perfekten Lagerplatz für uns und die Pferde zu finden. Am nächsten Morgen kam noch der Bürgermeister höchstpersönlich vorbei, um uns eine gute Weiterreise zu wünschen. Ein anderes Mal kamen wir auf einem ehemaligen Campingplatz unter, auf dem einige Wohnwägen zurückgelassen worden waren. Die Wohnwägen waren teilweise noch komplett eingerichtet, nur inzwischen Zerfallen und von Pflanzen und Insekten eingenommen. Ein bisschen gruselig war das ja schon.

 

Es geht weiter – auf nach Spanien ab ans Meer! Wir sind gespannt welche Abenteuer uns auf dem Weg zu unserem nächsten Etappenziel erwarten!

 

10 Antworten

  1. Hallo ihr Beiden! Das sind wieder herrliche Bilder und tolle Erlebnisse, die ihr zu berichten habt! Freue mich schon auf die nächsten Anekdoten!

  2. Sandy und Gina

    Wow, wie sind sehr beeindruckt von euren Berichten.
    Es ist sehr spannend, zu lesen, was für Herausforderungen euch begegnen und eure Reise etwas mitverfolgen zu können. Schön, dass ihr eure Erlebnisse teilt!

    Wir (22-jährige Zwillinge ) möchten uns nächstes Frühjahr mit unseren Pferden wandernd auf den Weg von Niederbayern Richtung Frankreich machen..

  3. Hallo, wie schön dass es euch gut geht. Tolle Bilder und Geschichten. Viel spass weiterhin.

  4. Wieder ein wunderbarer Bericht! Vielen Dank dafür und eine gute Reise!

  5. So ein toller Reisebericht :) Ich freu mich immer von Euch zu hören und durch Eure lebhaft erzählten Geschichten und Bilder ein bisschen auf dieser Reise dabei zu sein!

  6. Was für ein Abenteuer! Ich bin schwer begeistert und ein wenig neidisch 😎

  7. Beat Fontana

    Félicitations pour vos 1000 km et tout le bon pour le reste. A bientôt, espérons!
    Sylvie&Beat

  8. Hedwig Blume

    Hallo Ihr zwei Abenteurer, geniale Tour! Bin schon am überlegen wer mich denn mal begleiten würde/ könnte bei einer entsprechenden Tour!
    Bin gespannt auf weitere Bilder und Berichte. Liebe Grüsse , Hedwig Blume

  9. Ihr macht das ganze toll!

  10. Hallo, ich bin erst heute über eure Berichte gestolpert. Und bin fasziniert. Und jetzt bin ich etwas irritiert, es ist Ende Oktober 2017 und es gibt keinevEinträge mehr seit August. Und jetzt bin ich vieles: zuerst besorgt. Ist alles ok? Ist alles gutgegangen? Als nächstes: oder gibt’s wo anders weitergeführten Beiträge? Hm. Also, am meisten bin ich wohl doch besorgt…

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