Eure Fragen und unsere Antworten

Eure Fragen und unsere Antworten

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Auf Facebook hatten wir euch Leser gebeten, uns Fragen zu stellen, welche euch interessieren. Nun wollen wir mal versuchen sie zu beantworten…

 

Thema Übernachten

Wie findet ihr Unterkünfte? Ist das alles im Vorhinein geplant? Oder reitet ihr einfach ins Blaue hinein?
Steffen: Wir haben im Voraus keinen Plan – wir starten am Morgen mit einem groben Ziel im Kopf und beginnen uns dann irgendwann durchzufragen, wer denn eine Wiese für uns vier haben könnte. Wir wollen die Leute nicht stören und sprechen daher Personen an, die wir draußen sehen. So kommen wir oft auch in Gärten, kommunalen Wiesen oder an Wegesrändern unter, eine eingezäunte Weide ist eher Luxus. Manchmal treffen wir sehr nette Menschen, die keine eigene Wiese besitzen, aber dann Freunde oder Nachbarn empfehlen, dort anrufen, oder einfach gleich mit uns kommen und uns alles zeigen und sich mit uns durchfragen. Das ist echt klasse so viel Interesse und Mithilfe zu erfahren. Auf der anderen Seite werden wir manchmal auch weggeschickt, oder es wird uns vermeintlich geholfen indem uns eine Gite oder eine Teerfläche mitten im Dorf angeboten wird, aber wir haben gelernt, dass man sich einfach nichts draus machen muss und einfach weitergeht. Es gibt genug nette Menschen, da muss man sich nicht über die unnetten ärgern. 😉

Ein Mini-Auswahl unserer bisher schönsten Unterkünfte:

 

Habt ihr Strom auf dem Zaun nachts?

Vroni: Meistens nicht. Strom machen wir nur bei Wiesen drauf, bei welchen wir befürchten unsere zwei Pappnasen könnten auf die Idee kommen auszubrechen. Z.B. Wenn ein leckeres Getreidefeld direkt neben der Weide ist 😉

Manchmal machen wir auch kurzzeitig Strom drauf um den Respekt vor der weißen Schnur wieder herzustellen, z.B. wenn Max den Zaun dazu Zweckentfremdet sich seine Schnauze daran zu kratzen. Generell respektieren die Pferde die weiße Schnur allerdings auch gut ohne Strom. Voraussetzung ist, dass sie alles haben was sie brauchen um sich wohlzufühlen (d.h. Wasser, genug Gras, Schatten und genügend Platz).

 

Die Routenplanung

Wie plant ihr eure Routen? Welche App verwendet ihr? Habt ihr eine Karte von der Region, wo ihr gerade seid?

Vroni: Das hängt ziemlich von der Region und unserer Stimmung ab. Anfangs, in den flacheren Regionen haben wir mittels der App Outdooractive kleinere Wege (Schotterwege, Forststraßen, Trampelpfade,…) gesucht, welche uns weiter Richtung Süd-Westen bringen. Zu beachten war, dass der Weg nicht plötzlich auf einer Bundesstraße oder in der Pampa endet. Ob der Weg dann schön oder pferdetauglich war, haben wir dann immer erst hinterher gewusst 😉

Steffen: Oft haben wir auch von Supermarkt zu Supermarkt geplant. Das bestimmt doch oft unsere Routen. Den nächsten Supermarkt, welcher in unsere Richtung liegt suchen wir über Google Maps, meist etwa 4 bis 5 Tagesetappen, also 60-75km entfernt. Zu beachten ist dabei der geplante Ankunftstag und die Öffnungszeit des Supermarktes. Inzwischen planen wir solche Etappen oft mittels Google Maps, indem wir uns die Fußgängerroute ausspucken lassen. Wir schauen noch, dass sie nicht (wie leider sehr oft) an einer Nationalstraße oder dergleichen verläuft, da in diesem Falle eine gangbare Route doch erheblich länger sein kann. Ansonsten rechnen wir mit kleineren Umwegen von etwa 10% im Bezug auf diesen Vorschlag. Dann laufen wir etwa der vorgeschlagenen Route entlang los. Mit der App Outdooractive schauen wir uns die Höhenlinien an, um bei unterschiedlichen Optionen die günstigere zu wählen. Auch ist dort eine bessere Klassifizierung der Wege gegeben, sodass wir die Möglichkeit haben rechtzeitig Trampelpfade zu meiden, da wir gelernt haben, dass wir dort nicht immer mit den Pferden durchkommen. Auch größere Landstraßen können wir so weitestgehend vermeiden. In Bergregionen stößt Google Maps aber häufig an seine Grenzen, da hier oft eingezeichnete Wege unnutzbar sind, während andere nicht vorhanden sind. Dann ziehen wir noch die französische App GeoPortail zu Rate, welche das Kartenmaterial der IGN-Karten anzeigt. Leider nur Online und ohne Routenplanungsoption, sonst würden wir sie häufiger nutzen.

Tipp: Outdooractive Pro und Google Maps können die Karten offline speichern! Das spart extrem viel Handyakku und auch Nerven, z.B. wenn man in einem Funkloch steckt und den Weg nachkucken möchte.

Vroni: Richtige Wanderkarten (diese zum anfassen, drauf rumkritzeln, ausversehen zerreisen und auf ein umständliches Format von 2x2m auszubreiten) haben wir uns nur für die Region in dem Pyrenäen geholt. Warum? Weil Google Maps und Outdooractive leider nicht alle Wege in den Bergen kennen. Die App GeoPortail zwar schon, aber die ist wie bereits erwähnt nur mit Internet zu gebrauchen. Und Handynetz hat man in den Bergen eher selten. Zudem hat es uns einfach auch mehr Spaß gemacht richtig oldschool auf dem Boden knieend und mit Textmarker bewaffnet unsere Route durch die Pyrenäen zu planen!

Routenplanung mit Outdooractive, Wanderkarten und Google Maps:

 

Müsst ihr oft umkehren, weil Wege nicht passierbar sind?

Vroni: Wenn wir viele Trampelpfade in unsere Etappe einplanen dann kommt das leider doch recht häufig vor. Diese Art von Weg ist halt für Fußgänger ausgelegt und wird dann stellenweise doch zu schmal, zu steil, zu stufig, zu niedrig oder die Wegemacher haben nur eine schmale Brücke als Flussquerung eingeplant. Inzwischen versuchen wir Trampelpfade eher zu meiden.

Aber auch auf Feldwegen oder Forststraßen mussten wir immer wieder mal umkehren, weil ein unpassierbares Kuhgitter eingebaut war oder der Weg irgendwann im Nichts bzw. mitten in einem zugewuchertem Wald endete.

 

Wie sieht das rechtlich aus? Dürft ihr legal alle Wege benutzen? Habt ihr euch mit dem Grundeigentümer/Förster abgestimmt?

Vroni: Jaahaa, das liebe Gesetz, dein Freund und Helfer. Ich hatte mich mal darüber informiert, ob es in Frankreich irgendwelche besonderen Verbote gibt und nichts dazu gefunden. Wie auch in Deutschland gibt es in Frankreich immer wieder Wege an welchen ein Pferde bzw. Reiten verboten Schild montiert ist. Diese Wege umgehen wir zähneknirschend. Generell haben wir aber das Gefühl, dass die Franzosen nicht so eng gestrickt sind wie die Deutschen und vieles lockerer sehen und handhaben. Wir hatten bisher noch keine rechtlichen Probleme. Nur bei Privatwegen muss man vorsichtig sein. Da versteht der Eigentümer häufig wenig Spaß. In solchen Fällen versuchen wir den Eigentümer ausfindig zu machen und fragen nach Erlaubnis. Bekommen wir diese nicht gehen wir einen anderen Weg.

 

Thema Verpflegung

Was füttert ihr den Pferden?

Vroni: Hauptsächlich Gras, das funktioniert in dem meisten Regionen problemlos. Man muss ein bisschen drauf achten, welche Art von Gas auf der Wiese wächst. Besteht die Wiese nur aus Klee und Löwenzahn ist ein dauer-pupsendes Pferd mit Durchfall am nächsten Tag vorprogrammiert. Mit Wiesen auf welchen viele verschiedene Gräser und Kräuter wachsen haben wir die besten Erfahrungen gemacht.

In Regionen mit wenig Gras (z.B. sehr trockenen Gegenden) und bei anstrengenden Etappen (z.B. in den Bergen) füttern wir etwas Hafer und Mineralfutter bzw. Salz zu.

 

Wie oft müsst ihr Proviant nachkaufen?

Vroni: Circa alle 5-16 Tage. Maximal haben wir Kapazität für 16 Tage Essen. In diesem Fall müssen wir allerdings sehr viel haltbares und sehr langweiliges Zeug essen (Nudeln mit Soße, Reis mit Mais, Brot und Salami, mit Glück gibts noch eine gammlige Möhre dazu). Das ist um den täglichen Nährstoffgehalt zu decken auf Dauer nicht zu empfehlen. Wir kaufen deshalb lieber öfter ein und achten darauf viel Obst (Äpfel, Bananen, Pfirsiche,…), Gemüse (Zuccini, Karotten, Kartoffeln,…) und Proteine (Käse, Joghurt, Milch, Fleisch,…) in unseren Speiseplan zu integrieren.

Tipp: Linsen (und andere Hülsenfrüchte) sind absolut genial, um seinen Protein und Magnesium-Haushalt zu decken! Anfangs habe ich auch nicht daran gelaubt und die Leute belächelt die mir das empfohlen hatten. Inzwischen schwöre ich drauf!

 

Wie ist das mit Trinkwasser? Habt ihr einen kleinen Wasserfilter dabei?

Vroni: Wir HATTEN einen kleinen Wasserfilter dabei. Den haben wir aber nie gebraucht und irgendwann wieder nach Hause geschickt. In dem Gebiet (Westeuropa) in welchem wir unterwegs sind ist es kein Problem an Wasser zu kommen. Wir fragen einfach bei Wohnhäusern nach Wasser oder suchen nach einem Trinkwasserbrunnen im Dorf. Fast jedes Dorf in Frankreich hat einen solchen Brunnen.

In den Bergen trinken wir das Wasser einfach ungefiltert aus Quellen. Auf unserer Routenplanung müssen wir dann beachten, dass wir auch in regelmäßigem Abständen an Quellen vorbei kommen. In den Pyrenäen ist das kein Problem.

Falls wir doch mal durch ein wasserarmes und unbesideltes Gebiet kommen, können wir bis zu 10l Trinkwasser transportieren. Das reicht uns (Steffen und mir) für 2 Tage, wenn wir sparsam damit umgehen und es nicht heiß ist. (1Tag bei sparsamen Umgang = ca. 3-4l zum Trinken, 1l zum Kochen, 0,5l zum Waschen & Abspülen)

 

Wie macht ihr das mit der Wasserversorgung für die Pferde?

Vroni: Für die Pferde finden wir unterwegs gewöhnlich immer genug Wasser. Sei es in Form von Flüssen, Pfützen, Brunnen oder dass wir bei Wohnhäusern fragen.

Tipp: Ein Falteimer muss auf solch eine Tour unbedingt mit! Oft sind Wasserquellen mit Pferd nicht zugänglich oder Wasser auf der Nachtweide nicht vorhanden. Dann kann man die Pferde dennoch problemlos mit Wasser versorgen.

 

Thema Ausrüstung

Was für Schuhe habt ihr?

Vroni: Darüber haben wir tatsächlich lange nachgedacht, weil wir ja sowohl Reiten als auch viel Wandern. Zudem ist die Beschaffenheit der Wege sehr unterschiedlich, von Teerstraße bis unwegsamer und steiniger Trampelpfad ist alles mit dabei. Schlussendlich haben wir uns für Wanderschuhe aus Leder mit eher weicher Sohle entschieden. Wenn man viel läuft ist eine zu harte Schuhsohle für den Fuß anstrengend. Auf einen Absatz im Schuh haben wir auch geachtet, damit zumindest ein wenig Sicherheit im Steigbügel gewährleistet ist 😉

Schlussendlich ist das wichtigste, dass man super bequem in dem jeweiligen Schuh läuft und der Schuh sowohl Schutz bietet (z.B. vor auf Füßen stehenden Pferden) als auch eine gute Sohle mit etwas Profil hat, damit man auf schwierigen Terrain den Halt findet. (Eine bedeutende Lebensversicherung, wie wir schon festgestellt haben!)

 

Habt ihr ein spezielles Zelt? Allgemein hochwertiges Equipment?

Steffen: Wir haben das Nallo 3GT von Hilleberg, welches wir bedingungslos empfehlen können. Uns war hier auf jeden Fall Qualität wichtig, Tauglichkeit für niedrige Temperaturen aber auch eine gute Belüftung und viel Platz – deswegen die Dreipersonenversion – schließlich ist es für 6 Monate unser zu Hause. Generell haben wir bei essentiellen Ausrüstungsgegenständen auf Langlebigkeit versucht zu achten – allerdings müssen wir im Nachhinein sagen, dass hochpreisige Markenware nicht immer besser ist (siehe meine Schuhe).

 

Was für Packtaschen habt ihr genau? Bekommt ihr das unter was ihr braucht? Wie viel wiegt das dann etwa? 

Steffen: Für das Hauptgepäck haben wir eine Packtaschenhalterung für einen Westernsattel konstruiert. Idee war, dass wir das Gepäck so zwischen unseren beiden Pferde abwechseln können, da das Packpferd durch das starre Gewicht mehr und einseitiger belastet wird als das Reitpferd. Unsere erste Konstruktion hat Apollo erfolgreich bereits nach ein paar Tagen zerstört. Man muss dazu sagen, dass wir mit der Konstruktion auch nicht ganz zufrieden waren, das Gepäck durch die riesigen Taschen sehr weit nach außen ragte und so schnell ins Schwanken kam.

Hier ein paar nostalgische Fotos unserer ersten Konstruktion:

 

Bei unserer zweiten Konstruktion haben wir dann darauf geachtet, dass die Taschen näher am Pferd liegen und die Gesamtkonstruktion besser am Sattel befestigt ist, damit diese nicht zu sehr schwankt. Anders als die erste Konstruktion ist diese nun sowohl am Horn, als auch zusätzlich noch am Sattel hinten fixiert. Zudem war uns wichtig ein stabileres Material für die Säcke zu verwenden. Die Wahl ist auf robuste 50l Säcke aus LKW-Plane gefallen. Die sind nicht nur stabil sondern auch gleich noch wasserdicht. Die neue Konstruktion hat sich als sehr solide und praktisch erwiesen und hält den Belastungen des Alltags super stand.

Hier ein paar Fotos davon:

 

Inzwischen sind wir bei Max vom Westernsattel zu einen schweizer Armee-Packsattel gewechselt, da er Probleme mit seinem Westernsattel bekommen hat. Auf dem Packgestell können sowohl seitlich als auch oben drauf Taschen angebracht werden. Damit wir das Gewicht gut ausgleichen können haben wir viele kleinere Taschen (meist ganz einfache Nylonhüllen z.B. eine schlichte Bananentasche oder eine alte Zelthülle). Für unsere Nahrungsvorräte haben wir eine geräumige Satteltasche aus Leder, welche das Essen gut Schützt und selbst an heißen Tagen recht kühl hält. Generell finden wir beide Ledertaschen geeigneter für solch eine lange Tour, weil sie den Inhalt besser schützen und eine längere Lebensdauer haben.

So schaut der Militärpacksattel von Max aus:

 

Ob wir alles unterbekommen?

Ja! 😀 Ich würde sagen wir haben sogar noch Kapazität nach oben. Wir versuchen aber generell mit so wenig Dingen auszukommen wie möglich um die Pferde nicht unnötig zu belasten.

Wie viel das alles wiegt?

Insgesamt haben wir ca. 80kg Gepäck für uns beide und die Pferde dabei, inkl. Essen und 10l Trinken. Hinzu kommt noch das Gewicht der Sättel. Max trägt ca. 37kg Gepäck + 30kg Sattel, Apollo trägt ca. 43kg Gepäck + 17kg Sattel.

 

Habt ihr einen Laptop dabei?

Steffen: Nein, wir haben nur ein Smartphone dabei. Für Recherchen im Internet, zum Navigieren und mit seinen Freunden und der Familie im Kontakt zu bleiben reicht das völlig. Unsere Blogeinträge darauf zu verfassen ist allerdings ziemlich mühsam 😉

 

Was für ein GPS verwendet ihr?

Steffen: Zum einen natürlich das GPS in unserem Smartphone, zum anderen haben wir ein GPS am Halfter von Max angebracht mit welchem wir unsere Route aufzeichnen. Zudem können wir das GPS bei Bedarf nachts anmachen, falls die Wiese Ausbruchpotential hat. So können wir die Pferde jederzeit mit dem Smartphone orten.

Das GPS an Max seinem Halfter ist von „Tractive„.

 

Unterwegs…

Reitet ihr auch oder geht ihr alles zu Fuß?

Vroni: Anfangs haben wir das Gepäck zwischen den beiden Pferden abgewechselt, d.h. ein paar Tage war Apollo das Packpferd und ein paar Max. Auf dem jeweils anderen Pferd konnte man Reiten. Da Max ja irgendwann Probleme mit seinem Westernsattel hatte sind wir so zu einem Militärpacksattel gekommen. In dieser Zeit hatte Max das komplette Gepäck und Apollo konnte geritten werden. Geritten sind wir aber dennoch nur ca. 20% am Tag, weswegen wir irgendwann beschlossen haben Max zu entlasten und beide Pferde als reine Packpferde zu nehmen. D.h. inzwischen Laufen wir die komplette Zeit.

 

Wie viele Pausen macht ihr am Tag?

Steffen: Meistens eine (ca. 15-60 Min.). Manchmal auch 2 oder 3. Manchmal auch gar keine, z.B. an Tagen an welchen wir nur 10km laufen oder an besonders heißen Tagen an welchen wir am Vormittag unsere Kilometer ablaufen und dann ab 12 Uhr Siesta machen.

 

Wie bepackt ihr eure Pferde und wie hat sich das im Laufe der Kilometer geändert? Wie packt man alles richtig?

Steffen: Siehe auch beim Thema Packtaschen und ob wir auch reiten. Wir haben bei den unterschiedlichen Systemen jeweils rumprobiert mit der Verteilung des Gepäcks – einerseits hinsichtlich der Zugänglichkeit des Materials entsprechend der Häufigkeit seiner Verwendung und andererseits hinsichtlich der Gewichtsverteilung am Pferd. Die Konstanten sind dabei mittlerweile:

  1. Gewicht an die Seite, weil es oben mit der Bewegung des Pferdes mehr herumschwankt und am Rücken hinten scheuert, da der Sattel nur einen Bauchgurt hat (klassische Verschnallung beim Westernsattel).
  2. So wenig Taschen wie möglich, welche am Abend ausgepackt werden müssen und in diesen jeweils unten Vorrat, welcher nur gelegentlich für Nachschub angefasst werden muss.
  3. Wasserflaschen ganz oben griffbereit, sodass man auch unterwegs seinen ganzen Vorrat füllen bzw. nutzen kann.
  4. Gewichtsschwerpunkt am Pferd wie den eines Reiters auf Höhe der Sitzmulde oder leicht davor, für richtige Belastung von Sattel und Pferderücken.
  5. Alles Material zu einer festen Einheit verzurren, sodass nichts schaukelt und so scheuert oder sich löst.
  6. Gewicht ausgleichen. Wirklich ausGLEICHen – wir haben eine Gepäckwaage dabei und schauen damit nicht nur auf gleiches Gewicht der Taschen, sondern auch auf gleichen Schwerpunkt. Sattelgurt festziehen hilft eher nicht – das Gepäck sollte auch mit durchhängendem Sattelgurt nicht rutschen und beim Laufen an seinem Platz bleiben.
  7. Notfall-/Unfallausrüstung griffbereit: Hufwerkzeug, Erste Hilfe, beide Handys (gut, eins ist mittlerweile kaputt…), Powerbank, Sonnencreme…
  • … und wahrscheinlich vieles mehr, was wir garnicht bewusst machen

Es gibt auf jeden Fall viele Variablen und mit jedem Einkauf ändert sich die Konstellation wieder.

 

Wie ladet ihr euer Handy wieder auf?

Vroni: Wir haben ein kleines Solarpanel und eine Powerbank dabei. Das Solarpanel schnallen wir tagsüber auf das Gepäck und schließen die Powerbank an. Für extreme Regenperioden haben wie noch einen vollgeladenen Ersatzakku für das Handy dabei, in 99% der Fällen hat uns aber bisher der Strom gereicht welchen wir tagsüber mit dem Solarpanel produzieren.


 

Was macht ihr wenn ihr den Tierarzt braucht?

Steffen: Wir rufen an. Zunächst versuchen wir eine gute Adresse zu finden – hierbei empfiehlt es sich nicht im Internet direkt nach Tierärzten zu suchen, da viele nur Kleintiere behandeln, oder Kühe, oder… Am besten sind wir gefahren nach Reitställen zu suchen, dort anzurufen und nach deren Tierarzt zu fragen. Einmal sind wir mit den beiden Pferden dann bei der Tierklinik im Ort vorbeigelaufen, das andere Mal haben wir die Tierärztin zu uns bestellt. Beide Male waren wir sehr zufrieden.

 

Wie macht ihr das mit dem Beschlag? Habt ihr beide Pferde beschlagen?

Steffen: Die Pferde haben Eisen mit Stollen aus Tungsten, um den Verschleiß auf Teerstraßen zu reduzieren und den Pferden mehr Halt auf dem Untergrund zu geben. So halten die Eisen mindestens 6 Wochen, danach brechen vor allem bei Max oft die Nägel. Für diese Fälle haben wir das nötige Werkzeug (Hammer, Knippex, komisches Ding zum Vernieten und Nieten öffnen und eine kleine Raspel für alle Fälle), die Ersatzteile (Hufnägel in 2 Größen, Stollen aus Tungsten) sowie das Basis-Know-How (Nägel tauschen, Eisen abnehmen…). Damit können auch kleinere Reparaturen erledigt werden, wenn etwa ein Eisen ausreißt, weil es sich im Fels verkantet – auf 1800m in der Pampa sehr wichtig, da dort kein Schmied vorbeischauen kann und auch an ein Weitergehen nicht zu denken wäre. Wenn wir an Huf und Eisen merken, dass es wieder Zeit wird suchen wir mithilfe der gelben Seiten und GoogleMaps nach Hufschmieden und Reitställen, wobei wir in zweiteren nach ersteren fragen. Man hat dann halt irgendeinen Hufschmied, manchmal ist man dann nicht zufrieden, andere Male umso mehr… aber irgendwie hat es bisher immer geklappt – trotz nicht vorhandener Thungstens, keiner Bohrmaschine, keinen Eisen in passender Größe oder oder… Schlussendlich hält der Beschlag im Schnitt etwa 8 Wochen, bevor die hinteren Eisen abgelaufen und die Hufe zu weit rausgewachsen sind.

 

Habt ihr über Hufschuhe nachgedacht?

Steffen: Ja. Allerdings haben wir die Option verworfen, weil Hufschuhe auf Dauer Scheuerstellen machen, unterwegs schwieriger neu zu beschaffen sind, in Max‘ Größe generell schwierig zu finden sind und tägliche Arbeit machen. Mit Matsch sind sie ebenfalls schlechter verträglich. Aus unserer Sicht wären sie für Apollo eine Option, für Max nicht. Finanziell denken wir kämen wir zudem auf einen höheren Betrag – wir haben allerdings keinen Langzeitvergleich.

 

Wo kann man einen Hufschmiedkurs machen?

Steffen: Wir haben einfach unseren Hufschmied gefragt, ob er uns das wichtigste zeigen kann – am besten einfach mal selbst ran – der Hufschmied freut sich in der Regel, wenn er im Stuhl sitzen kann und dich rumdirigiert und dafür gleich bezahlt wird als würde er schuften (glaube ich…). Ansonsten gibt es auch offiziellere Kurse über unterschiedliche Zeiträume (Wochenende, 5-Tage, Nachmittag…) oder die Ausbildung zum Hufschmied, wenn man es ernst meint.

 

Verteilt ihr immernoch die Pferdehaufen? Wenn ja wie und womit?

Steffen: Nach wie vor bei Bedarf: beim Bauer auf der Kuhweide oder der Alm natürlich nicht, bei Privatleuten im Garten auf jeden Fall! Dazu nehmen wir einfach Stöckchen und spielen Golf 😉

 

Wie läuft das mit der Hygiene? Wird die Tour schnell zur „Tour de stink“?

Steffen: Zur Tour de Stink wird es nicht – zumindest merken wir nichts 😉 Oft bieten uns Leute, bei denen wir übernachten eine Dusche oder eine Waschmaschine zur Nutzung an, ansonsten gibt es in Frankreich auch an jedem zweiten Supermarkt eine Waschstation. Falls wir aber doch keine solche Option finden, so kommen wir doch täglich an irgendwelchen Gewässern vorbei, um die Pferde zu tränken und der Tränkeeimer kann auch schnell zur Dusche umfunktioniert werden. Wir haben dazu umweltverträgliche Reiseshampoos sowie Kernseife dabei, sodass wir auch reinen Gewissens sein können.

 

Organisatorischer Kram

Wie kommt ihr wieder nach Hause?

Vroni: Voraussichtlich mit einem Transportunternehmen. Der Sommer dauer leider nur ca. 6 Monate und im Winter zu Laufen macht eher kein Spaß 😉

 

Wieviel Geld habt ihr eingeplant? Seid ihr noch im Rahmen?

Vroni: Schwer das pauschal zu beantworten. Für die 6 Monate Unterwegs haben wir ca. 6000€ eingeplant. Hier eine genauere Auflistung der geplanten Punkte:

  • Essen: 2000€
  • Hufschmied: 750€
  • Tierarzt: 200€
  • Reparatur der Ausrüstung: 200€
  • Krankenversicherung: 1300€ p.P.
  • Tier- und Haftpflicht: ca. 300€

Hinzu kommen die Vorbereitungskosten (Kauf der Ausrüstung, Besuch von versch. Kursen, Tierarzt-Check,…) und die Kosten welche nach unserer Tour entstehen (Rücktransport, Stall- und Wohnungsmiete, Essen,…).

Anlässig zu dieser Frage haben wir unsere kompletten Ausgaben zusammengerechnet und sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wir viele Punkte vorab nicht eingeplant haben. Generell brauchen wir mehr Geld für Essen als geplant und haben einige Ausrüstungsgegenstände erneuert, mit welchen wir vorab nicht gerechnet haben (z.B. unsere Wanderschuhe, einige Klamotten, Speicherkarten, eine neue Powerbank, usw.). Das Versenden einiger Päckchen mit unnötigen Ausrüstungsgegenständen war ebenfalls eine ungeplante und ziemlich teure Angelegenheit.

Aufgrund der unerwarteten Kostenpunkte sind wir aktuell etwas über unserem geplanten Budget. Wir lernen: Ein großzügiger Finanzpuffer zu dem geplanten Budget schadet bei der Kostenplanung nicht 😉

 

Wie finanziert ihr euch die Tour? Habt ihr euch vorab einfach genug Geld gespart?

Vroni: Jap! Wir haben beide vorab gejobbt bzw. sogar Vollzeit gearbeitet und den Großteil von unserem Lohn zur Seite gelegt. In der Zeit haben wir wie Studenten gelebt (kleine Wohnung, Urlaub auf Couchsurfing-Basis, Foodsharing,…) aber das war kein Problem, weil wir diesen Lebensstil von unserem Studium sowieso noch gewohnt waren 😛

 

Wie habt ihr diese Auszeit geregelt? Offiziell arbeitslos? Sabbatjahr?

Vroni: Ich habe meinen Job gekündigt und bei meiner Krankenversicherung ein Sabbatjahr angemeldet und mich entsprechend freiwillig versichert. Mehr war eigentlich nicht nötig. Sich arbeitslos zu melden macht bei einer so langen Reise ins Ausland kein Sinn, da man während man arbeitslos gemeldet ist jederzeit in Deutschland greifbar und erreichbar sein muss.

Wichtig ist auch, dass man weiterhin einen Wohnsitz in Deutschland hat. Sonst beschweren sich etliche Versicherungen und Banken 😉

 

Wie habt ihr euch krankenversichert?

Vroni: Wir haben uns beide freiwillig krankenversichert und zudem eine Urlaubskrankenversicherung abgeschlossen. Um Ersteres kommt man nicht herum, wenn man weiterhin einen Wohnsitz in Deutschland hat.

P.S.: Den Wohnsitz in Deutschland komplett abzumelden, um so die verpflichtende Krankenversicherung zu umgehen geht im übrigen nicht. Also einfach freiwillig versichern und alle sind glücklich 😉

 

Sonstiges

Was nervt euch an euren Pferden?

Steffen: Uh, da gibt es einiges 😀

  • Wenn unsere Pferde beim Anbinden alles andere im Kopf haben als einfach angebunden zu sein: Fressen, Kratzen, sich Verheddern, Stampfen, Scharren, Posten annagen, Pfosten umschmeißen, Halfter ausziehen, Halfter kaputt machen, Strick lösen, im Kreis laufen, nach Fliegen schlagen, nach Fliegen treten, sich Hinlegen, Wälzen, nach Futter betteln… die Liste ließe sich ewig fortführen! 😉
  • Wenn unsere Pferde überall laufen, nur nicht da wo man will. Besonders toll ist das auf befahrenen Teerstraßen, wenn unsere Pferde den Mittelstreifen als den perfekten Weg erachten.
  • Apollos Liebe zu Eseln. Wenn Apollo keine Mühe scheut die komplette Nacht nach seiner großen Liebe zu wiehren und damit uns und das ganze Dorf wachhält.
  • Apollos Futterneid. Wenn man beiden (!) ein Leckerlie füttert und Apollo anschließend der festen Überzeugung ist, dass Max viel mehr bekommen hat und deshalb vertrieben werden muss. Ob dabei Menschen oder Zäune im Weg stehen ist egal.
  • Max wenn er keine Lust hat sich zu bewegen.
  • Max wenn er einfach durch alles durchläuft: Pfosten, Menschen, Stacheldrähte, Büsche, Stromzäune, Straßenlaternen,…
  • Unausgelastete Apollos – welche aus Langeweile Max jagen und die Wiese dadurch in ein Matschfeld verwandeln.
  • Wenn die 2qm neues, hohes Gras welches man ihnen einzäunt direkt in eine Pipi- und Klooecke umfunktioniert werden

 

Wie alt ist Apollo?

Steffen: 16 – und Max 7. Insgesamt sind wir vier mit 75 Jahren Lebenserfahrung unterwegs 😉

 

Freut ihr euch wieder auf ein richtiges Bett?

Vroni: Ja!

Steffen: JAAAAAA!!!

 

Hoffentlich konnten wir euch ein bisschen mehr Einblick in unsere Tour geben als bisher. Wir haben bei euren Fragen gemerkt, dass wir einige Punkte gar nie in unserem Blog erwähnt haben, weil sie unbewusst oder selbstverständlich passieren oder wir dachten, dass sie garniemanden interessieren. Danke für euren Input – wir hatten viel Spaß beim Fragen beantworten! :)