Zerbrochene Hufeisen, Blaulicht und die schönsten Berge der Welt

Zerbrochene Hufeisen, Blaulicht und die schönsten Berge der Welt

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Wir haben unser zweites Etappenziel erreicht! Die Pyrenäen! In ihrer vollkommenen Schönheit haben wir diese besonderen Berge kennengelernt. Leicht war der Weg über die teilweise 1800m hohen Berge aber nicht, ganz im Gegenteil. Es ist viel passiert in den Bergen und wir waren stellenweise kurz davor die Tour oder zumindest unsere Etappe durch die Berge zu beenden. Zu heftig waren die Geschehnisse der letzten Tage… aber beginnen wir ein bisschen zuvor.

 

TOULOUSE ma belle ville!

(Toulouse, meine schöne Stadt!)

Schon viele Kilometer bevor wir überhaupt dachten in der Nähe von Toulouse zu sein, spürten wir deutlich den Einfluss dieser riesigen Stadt. Immer wieder erzählten unsere Gastgeber uns Geschichten über diese Großstadt. Viele arbeiteten sogar dort und pendelten tagtäglich kilometerweit zu ihrem Arbeitsplatz. Auf unserem bisherigen Weg haben wir bereits festgestellt, dass die Lebensweise, die Menschen und die Kultur stark von äußeren Einflüssen geprägt ist. Oft ist dieser Einfluss durch das jeweilige Landschaftsbild der Region geprägt. Welche Landwirtschaft wird in der Region betrieben? Gibt es viel Tourismus? Sind große Städte in der Nähe? Ist man mitten in der Pampa? All das trägt dazu bei, dass die Menschen wohl so geworden sind wie sie sind. In der Region „Bourgogne-Franche-Comté“ sind die Leute unglaublich stolz auf das, was sie produzieren und was die Region auszeichnet. Das Gebiet ist bekannt für seinen hervorragenden Comté-Käse, seinen Wein, seine Kuhrasse „Montbéliard“ und seinen „Comtois“, eine bekannte Kaltblutrasse. Wir haben die Menschen dort als äußerst gastfreundlich und aufgeschlossen erlebt. Es schien, dass sie durch die Anerkennung ihrer Produkte viel mehr im Reinen mit sich und ihrer Arbeit sind, als Bauern, welche einfach nur Milch für irgendeinen Käse produzierten. Schlussendlich hat aber jede Region etwas wunderschönes an sich und wir lieben es, die jeweiligen Gegebenheiten zu entdecken und kennen zu lernen.

So ist es nicht verwunderlich, dass wir die Stadt von der alle sprechen gerne mit eigenen Augen sehen wollten. Bei einem Nachtlager circa 50km außerhalb von Toulouse hatten wir überraschenderweise die ideale Möglichkeit nach Toulouse zu kommen. Mit zwei Pferden an der Backe ist das nämlich gar nicht so einfach 😉 Wir waren auf einer privaten, sehr solide eingezäunten Weide und die Gastgeberin hatte uns netterweise angeboten uns zu einer S-Bahn Station kurz vor Toulouse zu fahren. Von dort aus ging es mit einer kleinen Bummelbahn im Schneckentempo nach Toulouse.

Nach ca. 45 Min Fahrt erreichten wir die Innenstadt und mussten erstmal kurz den Kulturschock verkraften welcher uns konfrontierte: Hektik, Beton und Lärm, sonst nichts. Das war der erste Eindruck den ich von dieser (und wahrscheinlich jeder anderen) Großstadt hatte. Überall waren stinkende Autos, welche sich an den Ampeln tümmelten. Daneben auf den Gehwegen gestresst wirkende Menschen welche während dem Laufen in ihr Smartphone starrten. Ab und zu eine Touristengruppe mit Selfistick. Dazwischen Straße und Beton. Ich atmete tief durch und fragte mich im selben Moment, warum zur Hölle ich unbedingt hier her wollte. „Keine Ahnung, aber wenn ich schonmal hier bin dann schaue ich mir die Stadt auf jeden Fall an“, dachte ich still in mich hinein. Auch Steffen wirkte, als würde er sich etwas fehl am Platz fühlen. Zusammen beschlossen wir uns ganz unbedingt erst mal etwas richtig leckeres zu Essen zu suchen. Und so stolperten wir über ein wirklich hübsches, kleines Cafe in welchem es auch ein paar Gerichte gab. Alles in Bio natürlich, ganz nach dem Image welches das Cafe schon von außen ausstrahlte. Wir beschlossen dort zu essen und bekamen eine unglaublich leckere, aber viel zu kleine Mahlzeit! 😀

Hungrig aber glücklich zogen wir weiter und lernten bald die Vorzüge einer Stadt erneut kennen und lieben. Überall gab es die tollsten Leckereien, welche nach 1000km Fußweg und monatelang langweiligen Essen einfach zu köstlich schmeckten! Und so schlemmten wir uns durch die Stadt und kuckten Schaufenster, Läden und Gebäude an.

Nach diesen kurzen Abstecher in die Zivilisation ging es für uns am nächsten Tag weiter. Die Landschaft rund um Toulouse ist recht flach und von Sonnenblumenfeldern geprägt, welche gerade in ihrer schönsten Blüte standen.

 

Shoppen mit Pferd im Jahre 2017

Ein paar Tage später erreichten wir das Städchen L’Isle-Jourdain in welchem wir unsere Vorräte auffüllen wollten. Seit einiger Zeit gehen wir nicht mehr mit unseren Pferden zum Supermarkt, weil wir finden, dass dies kein Ort für Tiere ist. Oft mussten die Beiden auf einem langweiligen Stück Teerboden warten, nur selten gab es ein Stück Wiese auf welchem sie währenddessen fressen konnten. Deshalb beschlossen wir uns an Einkaufs-Tagen recht früh am Nachmittag ein Nachtlager in der Nähe des Supermarkts zu suchen und dann am Abend zu Fuß einkaufen zu gehen – sofern möglich. So wollten wir es auch in L’Isle-Jourdain machen, nur irgendwie war in dieser Stadt der Wurm drin. Weit und breit war kein einziger Hof zu finden bei welchem wir nach einem Nachtlager hätten fragen können. Und auch sonst schickten uns die Leute bei welchen wir fragten von einem Haus zum nächsten. Das viele Suchen, Wege doppelt und dreifach Laufen und die Hitze schlauchte uns alle. Als wir schon kurz davor waren komplett zu verzweifeln, sprach uns plötzlich ein Mann an, ob wir eine Wiese suchen würden. „Oui!“, antworteten wir beide fast einstimmig und hofften. Wenige Minuten später stellte sich heraus, dass er und seine Frau sogar ebenfalls deutsch sprachen. Schön nach so langer Zeit mal wieder mit jemanden Unbekannten deutsch sprechen zu können! Gemeinsam setzte das junge Pärchen alle Kontakte in Bewegung, um eine Bleibe für uns und die Pferde zu finden. Und so kamen wir kurze Zeit später in dem Garten ihrer Nachbarn unter. Endlich absatteln und raus aus den verschwitzten Wanderschuhen! Die Besitzer des Hauses waren lustigerweise gar nicht da, gewährten uns aber netterweise das komplette Haus nutzen zu dürfen! Und so verbrachten wir 2 Tage in unserem kleinen Ferienhäuschen mit den Pferden direkt vor der Haustür. Das war zur Abwechslung auch mal richtig schön! Zudem waren die Nachbarn und das deutsche Pärchen unglaublich nett und haben uns mit Essen, wetvollen Tipps und lustigen Geschichten bereichert.

 

Max und seine Hufeisen – ein leidiges Thema

Wer denkt, so ein Wanderritt sei die die pure Erholung hat sich stark geirrt. Auch wenn das mit unserem „Ferienhäuschen“ sehr idyllisch klingt hatten wir wie immer einiges zu organisieren und zu reparieren. Das Hauptthema welches uns diesmal beschäftigte war Max sein Hufeisen. Wie immer hat Max seine Eisen viel schneller durchgelaufen als Apollo. Diesmal war es allerdings besonders schlimm, denn stellenweise war gar kein Eisen mehr vorhanden, so sehr war es abgenutzt. Natürlich hatten Steffen und ich es verplant, schon letzte Woche einen Hufschmied zu organisieren und so saßen wir da und suchten akribisch einen Hufschmied in der Umgebung, welcher noch so kurzfristig einen Termin frei hatte. Lustigerweise hatten alle Hufschmiede welche wir angerufen haben kurzfristig einen Termin frei, nur leider hatte keiner davon die passende XXL-Eisengröße für Max! 😀 Und so mussten wir warten, bis die XXL-Eisen für Max geliefert wurden, das hieß nochmal 4 Tage überbrücken.

Und so zogen wir weiter und hofften, das zerfledderte Eisen von Max würde noch möglichst lange durchhalten. Doch bereits einen Tag später ist es in der Mitte gebrochen und eine Seite ist komplett abgefallen. Einen weiteren Tag später war es komplett ab. Da wir wussten, wie schnell Max seine Hufe ohne Hufeisen ausbrechen versuchten wir aus den Materialien die wir zur Verfügung hatten einen Hufschuh zu basteln. Steffen saß den ganzen Abend und die halbe Nacht an dem Not-Hufschuh und präsentierte stolz sein Ergebnis: Aus unserem dünnen Filzpad und ein paar Seilen hat er eine art Sack für den Huf gebaut. Ich beäugte das Ergebnis skeptisch, wollte der Konstruktion aber eine Chance geben. Der Schuh saß überraschend fest, nur leider war er bereits nach 30 Minuten komplett durchgelaufen und zerfleddert, was uns beide nicht sonderlich wunderte. So stiefelten wir eben ohne Hufschuh weiter. Stattdessen achteten wir nun sehr darauf, überall wo es möglich war auf weichen Boden und Gras laufen zu können.

 

 

Der Hufschmied ist da: XXL-Hufeisen dabei – Tungsten vergessen

Nach vier Tagen kam der Hufschmied dann zum Glück! Viel länger hatten wir mit Max ohne das Eisen nicht weiterlaufen können. Zuvor suchten wir ein geeignetes Nachtlager, bei welchem der Hufschmied Strom und Wasser zugänglich hatte, um die beiden Pferde beschlagen zu können. Es schien alles sehr gut zu laufen, allerdings stellte sich nach ein paar Minuten heraus, dass der Hufschmied die Tungsten-Stollen vergessen hatte. Tungsten ist ein deutlich härteres Material als Eisen und nutzt sich folglich viel langsamer ab. Ohne die Tungsten-Stollen würden die Pferde zum einen mehr rutschen und zum anderen wären die Eisen wohl schon nach 4 statt nach 6 Wochen abgelaufen. Da wir aber keine andere Wahl hatten, mussten wir die Pferde dennoch beschlagen. In dem Fall ohne Tungsten.

Dass dies keine gute Idee war stellten wir bereits wenige Tage später fest. Die Eisen von Max waren bereits nach 3 Tagen so sehr abgenutzt, wie sonst normalerweise nach 2 Wochen. Und so suchten wir erneut nach einem Hufschmied, in der Hoffnung man kann die Tungstens noch nachträglich irgendwie in die Hufeisen montieren. Ein extrem netter und hilfsbereiter Hufschmied nahm sich unserem Problem an, erklärte uns aber, dass wir wohl alle (!) Eisen abnehmen müssen, die Tungstens montieren und anschließend alle Eisen wieder annageln müssten. Da wir nicht in 3 Wochen wieder einen neuen Komplett-Beschlag machen wollten, entschieden wir uns die Eisen nachträglich mit Tungstens auszurüsten. Der Hufschmied war wirklich äußerst nett und nahm sich sehr viel Zeit für uns. Da er uns und unsere Tour unterstützen wollte machte er uns zudem einen super Freundschaftspreis! Mit frisch gerichteten Eisen konnte es nun weiter gehen. Das dachten wir zumindest.

 

Ein weiterer Unfall…

Auf der Wiese auf welcher wir für den nachträglichen Beschlag für zwei Tage waren passierte das nächste und diesmal ziemlich ernste Unglück. Die Wiese gehörte zu einem Reitstall und lag einige Kilometer abseits vom Hof, inmitten von anderen Feldern am Waldrand. Wie die meisten Wiesen in Frankreich war auch diese mit Stacheldraht eingezäunt, weswegen wir kleine Zellen mit unserem Weidezaun absteckten. Nichtsdestotrotz fand Max eines Morgens einen Zugang zu dem anliegenden Stacheldrahtzaun und begann sich genüsslich mit seinem Popo daran zu kratzen. Steffen sprang vom Frühstück auf und hetzte zu ihm, um ihn davon abzuhalten sich am Stacheldraht zu verletzten. Ich wollte ihm noch zurufen, dass er nicht so stürmisch auf ihn zurennen soll, da war es aber schon passiert. Ich sah wie Max nach ihm ausgetreten hat und wie Steffen wenige Millisekunden später mit einem erstickten Schreien zu Boden sackte. Fassungslos saß ich da und traute meinen Augen nicht. Im selben Moment sprang ich tränenüberströmt auf und rannte zu Steffen, der sich inzwischen laut schreiend auf dem Boden krümmte. Ich hatte Angst, panische Angst, dass er sterben würde. Als ich bei ihm ankam war er kaum ansprechbar und schien extrem schlecht Luft zu bekommen. Ich wusste sofort, dass ich einen Rettungswagen holen musste und dass es jetzt um Sekunden gehen kann. Völlig aufgelöst rannte ich zurück zum Zelt und suchte das Handy. Auf dem Rückweg zu Steffen wählte ich bereits den französischen Notruf und es meldete sich ein entspannter Franzose am Apparat. Da mir durch den Schock alle französischen Wörter entfallen sind fragte ich ihn auf englisch, ob er englisch spricht. „A little“, antwortete er. Und so erklärte ich ihm wasserfallartig auf englisch, was gerade passiert ist und dass wir super dringend einen Krankenwagen benötigen. Als ich aufhörte zu sprechen herrschte kurz Stille. Dann fragte er (immer noch tiefenentspannt): „What has happened?“. Ich war kurz davor zu verzweifeln. Da wählt man einen französischen Notruf und der Mann am anderen Ende der Leitung spricht nicht mal richtig englisch, so dass er einen verstehen könnte. Auf die Idee mich an einen Kollegen weiterzuleiten, welcher besser englisch spricht kam er (und ich) selbstverständlich auch nicht. In der Zwischenzeit schien es Steffen wieder besser zu gehen und er konnte wieder mit mir kommunizieren. Ich legte auf.

Steffen zeigte mir, wo Max ihn getroffen hatte. Ein brauner Hufabdruck auf seinem hellgrünen T-Shirt markierte die Stelle auf seinem Bauch, genau zwischen Hüfte und Rippen. Ich war so unglaublich erleichtert, dass er wieder ansprechbar war! Nach ein paar Minuten wollte er dann unbedingt aufstehen und zurück zum Zelt laufen, um sich dort hinzulegen. Zusammen humpelten wir zurück zu unserem Lagerplatz und er legte sich ins Zelt. Für das, wie er von Max getroffen wurde ging es ihm überraschend gut. Dennoch hatten wir beide Angst, dass ein Organ innerlich verletzt wurde und beschlossen erneut den Notruf zu wählen. Diesmal redete Steffen persönlich mit dem Franzosen am anderen Ende der Leitung. Sein Französisch ist durch die lange Zeit welche wir nun schon in Frankreich sind wirklich gut geworden. Steffen erklärte ihm in aller Ruhe was passiert ist und wo wir gerade sind, was gar nicht so einfach ist, wenn man mitten auf einer Wiese in der Pampa ist, welche keine Adresse hat. Der Mann am Telefon erklärte ihm, dass er sich auf keinen Fall bewegen darf, bis der Notarzt da ist. Schon wenige Minuten später hörten wir die Sirenen im benachbarten Dorf. Ich eilte an den Eingang der Weide, doch die Sirenen schienen nicht näher zu kommen. Dann bekam ich einen Anruf – ein Rückruf vom Notruf – wie absurd. Sie erklärten mir, dass die Adresse wohl falsch sei und sie uns nicht finden könnten. Nachdem Steffen ihnen erneut erklärt hat wo wir sind, waren sie innerhalb von wenigen Minuten bei uns.

 

…diesmal war die Lage ernst

Die Stimmung war todernst als die Sanitäter aus dem Rettungswagen sprangen. Einer der Sanitäter wollte das Tor zur Weide öffnen, und zerbrach aus Eile einfach den Holzbalken. Währendessen rannten zwei andere Sanitäter mit Koffern und einer Trageliege die Wiese hinunter zu unserem Lagerplatz. Binnen Sekunden okkupierten sie unser Zelt und quetschten sich zu zweit in die niedrige Zeltkabine, um Steffen mit allen möglichen Geräten abzuhören. Derweil erklärte ich einem weiteren Sanitäter auf meinem gebrochenen Französisch was passiert ist. Einige Minuten später begannen sie Steffen auf eine Liege zu verfrachten und erklärten mir, dass sie ihn nun ins Krankenhaus befördern müssen, da ein Verdacht auf innere Blutung besteht. Während sie Steffen auf die Liege schnallten erklärte mir einer der Sanitäter, dass sie ein Offroad-Fahrzeug angefordert haben, da sie mit dem Krankenwagen nicht auf der Wiese fahren können. Als das Offroad-Fahrzeug kam waren es inzwischen 5 Sanitäter, welche sich um Steffen kümmerten. Ich fuhr selbstverständlich mit und hatte ein paar Sachen für Steffen mitgenommen, da sie ihn so wie er war, ohne Schuhe und in Unterhose eingepackt haben.

Im Krankenhaus angekommen wurde er sofort in alle möglichen Geräte gesteckt und untersucht (MRT, Röntgen, Ultraschall,…), ich wartete währendessen draußen. Nach ca. 1 Stunde holten sie mich zu ihm rein und Steffen erklärte mir den Befund. Es war alles okay! Ich atmete erleichtert auf und viel ihm unendlich dankbar um den Hals. Sie behielten ihn noch für 2 Stunden zur Beobachtung im Krankenhaus, dann wurde er entlassen – in Unterhose und ohne Schuhe! 😀 Aber zum Glück hatte ich ja ein paar Sachen eingepackt. Mit dem Zug ging es dann zurück zum Lagerplatz.

 

Wieso wir den Jakobsweg meiden

Nach einem weiteren Ruhetag beschlossen wir weiterzuziehen. Unsere Route kreuzte nun immer öfter den weltbekannten Jakobsweg. Schon zu Beginn unserer Tour waren wir uns einig, dass wir diesen meiden wollten, da wir dem touristischen Strom aus dem Weg gehen wollten. Wir befürchteten, dass es auf dem frequentierten Pilgerweg schwierig ist ein Nachtlager für uns und die Pferde zu finden, weil die Bauern wohl ständig nach einer Schlafoption gefragt werden. Und so war es tatsächlich auch. Wenn wir bei Höfen gefragt haben, hörten wir neuerdings die verrücktesten Ausreden, zum Beispiel, dass sich die Kühe nicht mit Pferden verstehen würden, weswegen die Pferde nicht in die Nähe vom Hof dürfen. Sehr häufig wurde auch einfach auf die nächste Gite (Herberge) verwiesen. So suchten wir an manchen Tagen auf dem Jakobsweg stundenlang nach einem Nachtlager und hatten aber schlussendlich immer Glück. Die Bekanntschaften mit den dazugehörigen Bauern war allerdings kühl und distanziert, was aber verständlich ist, wenn tagtäglich hunderte Pilger an deinem Hof vorbeiziehen.

Die Pyrenäen waren inzwischen zum Greifen nahe und wir tüftelten inzwischen täglich an einer geeigneten Route, auf welcher wir diese wunderschönen Berge mit unseren Pferden überqueren konnten. Um besser planen zu können kauften wir uns sogar Wanderkarten und zeichneten die auserkorene Route anschließend ein.

 

Aufstieg in die unberührte Bergwelt der Pyrenäen

Und dann war der Tag da. Der Tag an dem wir mitten in die Berge aufsteigen wollten. Unser Tagesziel lag auf stolzen 1600 Metern Höhe. Gestartet sind wir an diesem Tag auf 600 Metern. Zudem musste eine Distanz von 15km überwunden werden, so viel laufen wir in der Ebene ja sonst auch. Hinzu kamen jetzt noch die 1000 Höhenmeter. Es lag also eine anstrengende Tagesetappe vor uns.
Die Pferde meisterten die schmalen Wege und die Höhenmeter hervorragend und wir drangen immer weiter in die fast unberührte Bergnatur ein. Unser Weg schlängelte sich durch kleine Wälder mit tollen Felsformationen und endete auf einer riesigen Almwiese, auf welcher verschiedene Tierherden friedlich grasten. Um uns herum ragten schroffe Felsgipfel empor, welche das Landschaftsbild zierten. Wir waren begeistert von der Schönheit und Vielfältigkeit dieser Berge! Sie waren zwar ebenfalls sehr grün und bewachsen, aber dennoch ganz anders als die Alpen, welche wir aus unserer Heimat kannten.

Dass die Zeit in den Pyrenäen die schönste aber auch schrecklichste Zeit auf unserer Tour werden sollte ahnten wir zu dem Zeitpunkt des Aufstiegs noch nicht. Doch noch am selben Tag passierte der erste der drei schrecklichen Unfälle…

Was genau in den Bergen passiert ist werden wir euch in unserem Buch verraten.

 

Beschluss: Wir ändern unsere geplante Route!

Jedenfalls regten uns die Geschehnisse zum Umdenken an und wir beschlossen nach langen Überlegungen unsere Route und unser Ziel abzuändern. Ursprünglich wollten wir einen Strand bei Llanes an der Nordküste von Spanien erreichen. Doch in der Zeit in den Pyrenäen haben wir gemerkt, dass wir uns inzwischen in Frankreich wie Zuhause fühlen und es lieben, endlich so gut französisch zu sprechen, so dass wir uns mit den Einwohnern hier verständigen und diese kennen lernen können. In Spanien hätten wir zu Beginn wahrscheinlich wieder kein Wort verstanden, geschweige denn mit den Leuten dort reden können. Zudem hatten wir Lust auf einen richtig schönen Sandstrand als Abschluss für unsere Tour und so beschlossen wir die Westküste von Frankreich als unser neues Ziel zu ernennen. Die Distanz war bei beiden Zielen ungefähr die selbe.

Ich kann mit reinem Gewissen sagen, dass es die beste Entscheidung war, die wir haben treffen können. Wir freuten uns tierisch darauf, mit unseren Pferden auf den wunderschönen Sandwegen in den Pinienwäldern zu wandern und an dem endlosen Sandstrand entlang zu galoppieren!

 

Salut liebe Freda!

Auf unserer vorletzten Etappe welche uns von den Pyrenäen Richtung Meer führte begleitete uns Freda, eine Freundin von mir für 10 Tage. Wir haben uns damals in Kanada auf einer Pferderanch kennengelernt, auf welcher ich einen Monat lang gearbeitet habe. Sie selbst kommt auch aus Deutschland und ist kurzerhand von Darmstadt mit den Fernbus in die Pyrenäen gefahren, um ein paar Tage dieses Abenteuer mitzuerleben. Wir haben uns riesig über diesen spontanen Besuch gefreut, denn wenn man seit 5 Monaten nur zu zweit aufeinander sitzt tut ein neues Gesicht wirklich richtig gut! 😀

 

Nicht mehr lange, dann sind wir da!

Gemeinsam traten wir dann unsere letzte große Etappe an: Der Weg zum Meer! Bei unserem letzten Nachtlager in den Pyrenäen konnten wir in der Nacht bereits die Lichter von Bayonne und Biarritz an der Küste erkennen!

Jetzt ist das Ziel unserer langen Reise zum greifen nahe!!!

 

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2 Antworten

  1. Einfach beeindruckend! Eure Bilder sind wieder klasse. Das war schon eine irre Tour. Wir sind schon ganz gespannt auf euer Buch oder einer Diashow!

  2. Liebe Vroni, lieber Steffen. Steffen, mittlerweile sind viele Monate vergangenen, seit du bei uns im BG10 gearbeitet hast. Jetzt lebst du ein total anderes Leben. Fasziniert lese ich Euren Blog. Ich wünsche Euch für den Rest eurer Reise keine weiteren Katastrophen mehr. Und ebenso eine gesunde Heimkehr für Mensch und Tier. LG Ralf

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