Ankunft am Ziel – Das Meer!

Ankunft am Ziel – Das Meer!

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Über 6 Monate waren wir unterwegs.

Über 1800 km haben wir mit unseren Pferden zurückgelegt.

3 Länder haben wir zu Fuß kennengelernt.

Und jetzt sind wir da.

Am Meer. Unserem Ziel.

 

Inzwischen ist es September und die Tage werden spürbar kürzer. Die Nächte deutlich kälter und unsere Pferde bekommen langsam ihr Winterfell. Das waren nur ein paar der Dinge die uns merken lassen haben, dass unsere Reise langsam zu Ende geht.

Nachdem uns unsere liebe Freundin Freda nach 10 Tagen leider wieder verlassen musste, sind wir unsere letzte Etappe angetreten: Den Weg durch die sandigen Pinienwälder der Llandes bis zur Ankunft am Meer in Contis les Bains! Unser Ziel war nun zum greifen nahe! Nur noch wenige Tage, nur noch wenige Kilometer. Es war ein komisches Gefühl.

Da ich wusste, dass unsere Tour nun bald zu Ende sein wird habe ich versucht jeden Augenblick noch intensiver als sonst wahrzunehmen. Jeden Moment noch detaillierter abzuspeichern. Manchmal habe ich mir auch gewünscht, die Zeit anhalten zu können und diesen einen Moment für immer zu leben. Aber wahrscheinlich wäre das auf Dauer dann auch nicht mehr so spannend gewesen 😉 Wie dem auch sei, wir zählten von nun an die Tage rückwärts. Noch 14 Tage, noch 10 Tage, noch 8 Tage…

Unsere Wege führten uns durch nahezu menschenleere Pinienwäldern und Sandwegen soweit das Auge reichte! Anfangs freuten wir uns wie zwei kleine Kinder, als wir das erste mal auf den sandigen Boden entlang liefen. Auch den Pferden schien es zu gefallen. An manchen Stellen hatten wir Mühe, dass sie sich nicht mit samt des Gepäcks zum Wälzen auf den Boden schmissen 😀
Bereits am 2. Tag hatten wir aber schon genug von den meist extrem weichen und sehr tiefen Sandwegen. Je nach Beschaffenheit des Weges war es extrem mühsam voranzukommen. Zudem wurde das Futterangebot je mehr man sich der Küste näherte knapper und knapper. Stellenweise wuchs wirklich NIRGENDS mehr Gras!

 

An einer der Tagesetappen machten wir den taktischen Fehler, dass wir viel zu nahe an der Küste entlang liefen. Zum einen waren die Wege wegen dem tiefen Sand extrem mühsam zu begehen, zum anderen oftmals für Pferde gesperrt. Was aber viel schlimmer war, dass wir keinen einzigen Flecken Wiese gefunden haben, welcher unsere Pferde hätte die Nacht ernähren können. In den Dörfern in Küstennähe gab es keine Bauernhöfe mehr, sondern meist nur Ferienhäuser mit (wenn überhaupt) schick gepflegten englischen Rasen. Darauf kann man nun leider wirklich kein Pferd stellen! Und so zogen wir weiter und weiter, in der Hoffnung irgendwo eine verwilderte Wiese zu finden. Doch Fehlanzeige. Auch das Sattelitenbild von Google Maps zeigte keine grüne Fläche, welche für Pferde geeignet sein könnte. Es war schon spät und wir setzten unsere letzte Hoffnung auf eine große grüne Fläche mitten in einem benachbarten Dorf. Und tatsächlich hatten wir Glück! Naja, sagen wir Glück im Unglück. Die Wiese gehörte zu einer großen Villa mitten im Dorf. Der Besitzer der Villa (ein älterer Mann) begrüßte uns herzlich und lud uns zu sich auf sein Grundstück ein. Wir staunten Bauklötze, dass wir auf seinem top gepflegten Grundstück mit den Pferden nächtigen durften. Zwar gab auch diese Wiese nicht gerade viel Futter her, da das Gras extrem kurz und licht stand, aber immerhin hatten die Pferde eine sehr große Fläche, auf der sie etwas zum Knabbern suchen konnten!

Am Nächsten Tag brachen wir sehr früh auf. Wir hatten noch am Vortag beschlossen, auf dem kürzesten Weg ins Innenland und weg von der Küste zu kommen, um für die Pferde wieder ausreichend Gras zu finden. Zum Glück ging unser Plan auf und wir kamen via Zufall sogar an einen besonders tollen Lagerplatz. Sowohl für uns als auch für die Pferde! In der Mittagspause hatte uns eine Familie mit zwei kleinen Kindern angesprochen, ob sie unsere Pferde streicheln dürften. Ein wenig später fragte uns die Mutter dann, ob wir eine Schlafmöglichkeit suchen würden. Zwar waren wir erst die Hälfte von unserem heutigen Tagesziel gelaufen, aber dennoch nahmen wir das Angebot dankend an. Und es hat sich gelohnt! Die Pferde durften auf eine super saftige Wiese direkt neben dem Haus und wir durften die Nacht in einer kleinen, hübsch renovierten Gästewohnung verbringen! Wir hatten eine komplette Wohnung für uns alleine! WOW! Mit einem weichen Bett, einer Couch, einer Küche, einer Dusche, WC und W-Lan! Was ein Luxus! Die Gastfamilie war so extrem nett, dass wir beschlossen noch eine weitere Nacht dort zu verbringen und den Pferden so eine Erholung von den Strapazen der letzten Tage zu gönnen.

 

Auch in den nächsten Tagen versuchten wir die Küstennähe zu meiden. Unsere Entscheidung zahlte sich aus. Zwar mussten wir so einen Umweg in Kauf nehmen, allerdings fanden wir jeden Abend genügen Gras für die Pferde und die Wege waren oftmals auch besser. Während wir uns Tag für Tag immer mehr unserem Ziel näherten, planten wir, wie wir die Tage am Meer verbringen wollten. Wir beschlossen, eine ganze Woche am Meer bleiben zu wollen und die Pferde in einem nahe gelegenen Reitstall unterzustellen. Für uns buchten wir eine Ferienwohnung, in welcher wir uns bei schlechtem Wetter notfalls aufhalten konnten.

Und dann kamen sie, die letzten 3 magischen Tage! Wir zählten rückwärts, wie oft wir noch in unserem Zelt schlafen würden. Wie oft wir noch unsere Pferde bepacken und abpacken würden – was für uns inzwischen ein Stück vom Alltag geworden ist. Wir genossen es, ein letztes mal neben unseren Pferden zu Kochen und Seite und Seite neben ihnen einzuschlafen. Uns wurde in den letzten Tagen bewusster denn je, was eine tolle Reise das war und wie sie uns und unsere Pferde zusammengeschweißt hat. Und plötzlich war der Morgen gekommen. Der Letzte Tag. Die letzten 10 Kilometer. Das letzte Mal Pferde bepacken. Das letzte Mal, der letzte Tag…

 

Heute werden wir unser finales Ziel erreichen! Das Ziel unserer langen Reise! Das Meer!

Ich war aufgeregt, traurig, fröhlich, ungläubig, euphorisch, melancholisch,… eigentlich wusste ich gar nicht was ich fühlen sollte! So eine lange Zeit haben wir auf diesen Augenblick gewartet, uns hunderte Male ausgemalt, wie es sein wird an unserem Ziel anzukommen.

Wir liefen los. Zuerst auf einer kleinen Teerstraße, welche durch das Dorf führte, in welchem wir übernachtet haben. Dann wurde der Weg schmaler und sandiger. Die riesigen Pinienbäume ragten links und rechts empor. Das Gras verschwand aus den Wäldern. Und irgendwann lichtete sich dann der Weg. Steffen sagte: „Hier müssen wir lang – hier geht’s zum Meer. Nur noch wenige Meter.“. „Wo ist es denn?“, fragte ich. Ich konnte beim besten Willen keinen Hauch von Meer erkennen. „Komm mit.“. Und so liefen wir auf einem breiten Sandweg entlang. Der Sand wurde immer tiefer und tiefer und so langsam konnte man das Meer sogar riechen! Das letzte Stück führte uns der Weg steil auf eine Sanddüne hinauf. Die Pferde kämpften sich in dem tiefen Sand nach oben. Und da konnte man es sehen! Das Meer, die Wellen, die Möven, den Sandstrand!!!! WOW!!! Was ein unbeschreiblich schönes Gefühl!

 

Wir haben es geschafft! Vom Bodensee ans Meer!

Stolz erfüllte mich! Ich war glücklich! Irrsinnig glücklich! Doch sehr lange konnte ich mich nicht auf mein Glück konzentrieren, denn Apollo fand das Meer so gar nicht cool! Noch uncooler fand er, dass wir uns immer weiter diesem laut tosenden Wassermassen näherten. An weniger als 10 Meter Sicherheitsabstand war so gar nicht zu denken! Und nun ja, so standen wir halt 10 Meter von den Wellen entfernt und fielen uns glücklich in die Arme. Dann umarmte ich Apollo und flüsterte ihm ins Ohr, dass ich sooooo unglaublich stolz auf ihn bin! Stolz, so ein tolles und tapferes Pferd wie ihn an meiner Seite zu haben. Stolz, all diese Abenteuer gemeinsam bewältigt zu haben! Stolz, so viel gelernt zu haben!

Ich glaube Apollos Gedanken waren in diesem Moment lediglich: „Wirklich jetzt? Ich bin mit dir 1800km auf den beklopptesten Wegen gelaufen um jetzt an DIESEN lebensfeindlichen Ort zu kommen? Ist das ein Witz?“. Als ich mir seine Gedanken vorstellte musste ich schmunzeln. Mein anfangs extrem wasserscheues Pony steht jetzt vor den größten Wassermassen der Erde. Natürlich findet er das uncool! 😀

Dennoch war ich stolz, wie sehr sich unsere Pferde bemühten auch in diesem Moment ruhig zu bleiben und nicht einfach wegzurennen. Ich merkte, dass sie uns inzwischen quasi ihr Leben anvertrauten.

 

Da wir am selben Tag noch den nahegelegenen Reitstall erreichen wollten machten wir uns schon kurze Zeit später wieder auf. Die letzten 5 Kilomter unserer Reise lagen vor uns und wir zählten ein letztes Mal rückwärts. Auch wenn das das Ende unserer Reise bedeutete war ich froh, dass sich die Pferde nun eine Woche lang mit Heu (all you can eat) und Wasser ausruhen und wieder zu Kräften kommen konnten. Die Etappe über die Pyrenäen hat insbesondere bei Apollo an seinen Kräften und später auch an seiner körperlichen Gesundheit gezehrt. Er hatte auf den abgefressenen Almwiesen nicht mehr genügend Gras finden können und da er wählerischer als Max war, hat er deutlich an Gewicht verloren. Ein paar Wochen später hatte er dann aufgrund von dem Nährstoffmangel starken Haarausfall. Zwar bemühten wir uns ihn wieder aufzupeppeln und fütterten jeden Tag Mineral- und Kraftfutter zu, aber geholfen hat das nur wenig – aber ist ja auch klar, so was braucht Zeit und Ruhe. Genau deshalb freute ich mich darauf, dass es vorbei war! Unsere beiden Pferde hatten so viel wunderbares geleistet und jetzt sollten sie endlich Urlaub bekommen! :)

 

Auf dem Reiterhof (welcher eigentlich nur aus eingezäunten Paddocks bestand) wurden die Pferde gut versorgt. Gerne hätte ich eine Ferienwohnung direkt neben dem Paddock gehabt, aber das ging leider nicht. Unsere Ferienwohnung lag einige Kilometer weiter nördlich. Erschöpft, total durchgeschwitzt, stinkend, aber glücklich kamen wir dort an. Eine unserer ersten Aktionen war eine lange, heiße Dusche! Danach schlüpften wir in saubere Klamotten und gingen das nahegelegene Meer zu Fuß erkunden. Welch wahnsinnige Wassermassen! Welch mildes Spätsommerwetter! Welch wunderschöner Sandstrand! Welch unwirklicher Moment! Ja, irgendwie konnte ich es nicht glauben, nun wirklich am Ende unserer Reise zu sein. Die Pferde nicht mehr zu bepacken, nicht mehr neben ihnen aufzuwachen, nicht mehr den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein. Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht klar, dass ich noch viele weitere Wochen brauchen würde, um diesen Moment verarbeiten zu können. Um das erlebte begreifen zu können. Aber so ist es ja oft im Leben. Später sieht man so vieles mehr, als man in dem Moment selbst sieht.

Wir verbrachten eine wunderschöne letzte Woche, in welcher wir täglich die Pferde mit dem Fahrrad besuchten. Oft gingen wir auch gemeinsam in den wunderschönen Pinienwäldern ausreiten und machten dabei einen Abstecher zum Meer. Von Mal zu Mal hatten wir das Gefühl, dass sich die Pferde immer mehr an das laute Rauschen der Wellen gewöhnen und sich näher an das Wasser herantrauen. Max traute sich nach dem dritten Ausritt sogar mit Steffen auf dem Rücken in das seichte Wasser der Ebbe! Zwar war der Galopp nur auf einer Diagonalen weg vom Wasser möglich, aber dennoch ging für mich ein riesiger Traum in Erfüllung: Mit dem eigenem Pferd am Strand entlang reiten! Den sanften Wind in den Haaren zu spüren und über das unendliche Blau zu blicken! Ich war wie verzaubert, als ich auf Apollo an der Brandung entlang ritt. Es war ein so unglaublich wunderschönes Gefühl, welches mich mit einer tiefen Dankbarkeit füllte.

 

Nach Hause ging’s mit Papa & Papa

Nach einer Woche Urlaub am Meer ging es zurück nach Hause. Unsere beiden Väter hatten sich netterweise bereit erklärt uns mit Auto und Pferdehänger abzuholen! Die zwei Verrückten! 😀
Die beiden haben sich extra einen Tag Urlaub genommen, haben einen riesen Jeep und die Luxus-Variante an Pferdeanhänger gemietet und sind mit diesem riesen langen Gespann an einem Tag vom Bodensee bis nach Mimizan ans Meer gebrettert. Am nächsten Morgen ging es dann bereits zurück nach Hause. Ein zwei Tages Roadtrip sozusagen 😉

Die Rückfahrt war super! Wir hatten keinen Stau und sind den Umständen entsprechend zügig vorangekommen. Die Pferde waren die komplette Fahrt über ruhig und haben keine Faxen gemacht. In den Pausen gab es immer frisches Wasser. Nach 11 Stunden kamen wir dann in Freiburg an – unserem vorübergehenden neuen Zuhause! In 11 Stunden, waren wir plötzlich wieder dort, wo wir vor 6 Monaten gestartet haben. Ein seltsames Gefühl.

Mitten in der Nacht erreichten wir den Stall in Freiburg. Es war eiskalt und hat geregnet. Das komplette Kontrastprogramm zu den sommerlichen Temperaturen am Meer. Die Pferde hatten für die erste Nacht eine große Weide mit Unterstellmöglichkeit. Am nächsten Morgen bauten wir dann gemeinsam ihren vorübergehenden Paddock auf.

Inzwischen stehen sie in einem kleinen Offenstall mit großen Auslauf und haben sich körperlich komplett von den Strapazen erholt. Apollo hat sehr schnell wieder dichtes Fell bekommen und inzwischen auch wieder sein Normalgewicht erreicht. Die Zwei sind unzertrennlich dicke Freunde geworden und lieben es einfach zusammen zu sein. Auch jetzt spüren wir noch, dass die Reise die beiden tiefgehend verändert hat. Apollo ist viel gelassener geworden, Max ist richtig aufgeblüht, weil er einen engen Pferdekumpel gefunden hat und generell ist die Verbindung zu unseren Pferden um so viel enger geworden!

 

Ich bin so unglaublich DANKBAR diese Tour gemacht zu haben und hab machen zu können! So viele liebe Seelen haben mitgeholfen, dass die Tour zu dem geworden ist, was sie war!
Ich DANKE euch allen so sehr dafür! <3

DANKE an dich Apollo, dass du mit mir diese Reise gemacht hast, dass du mit mir durch Dick und Dünn gegangen bist. Es ist so schön, dass DU das Pferd an meiner Seite bist!

DANKE an dich Steffen, dass ich DICH als meinen Freund habe, dass du mir in schwierigen Momenten Kraft und Halt gibst, dass du unterwegs immer auf mich aufgepasst hast!

DANKE an dich Max, dass du durch dein ruhiges und mutiges Herz viele Situationen entschärft hast, dass du Apollo gelernt hast gelassen zu sein und dass du uns durch deine tollpatschige Art immer wieder so sehr zum Lachen gebracht hast!

DANKE an meine Familie, an die Familie von Steffen und meine Freunde, welche mich während der Tour immer wieder mit aufbauenden Worten, Besuchen und Tipps unterstützt haben.

DANKE an alle, die mitgefiebert haben, die uns mit lieben Kommentaren unterstützt und uns Mut zugesprochen haben!

DANKE, dass es so etwas wie die ERDE gibt, auf der man solch tolle Dinge machen und erleben kann!

Tausend DANK für das, was uns die Reise geschenkt und gelehrt hat!

 

 

2 Antworten

  1. Einfach irre toll eure Reise!! Wir sind stolz auf euch 4!!!

  2. Stiefel-Celler Liane

    Liebe Veronika und lieber Steffen,
    DANKE 😘, dass ihr uns alle an eurem Traum habt teilhaben lassen. Genau diesen Traum wollte ich mir selbst dieses Jahr erfüllen, aber leider muss ich erst noch 2 OP’s hinter mir bringen und dann hoffen mich rasch davon zu erholen und nächstes oder übernächstes Jahr nochmals an diesem Traum arbeiten.
    Aber vielleicht ist dann ja schon euer Buch fertig und ich kann es mir als Reiselektüre für einsame Momente mitnehmen.
    Viele liebe Grüße von Liane

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