Pferd2 Pferde

Pärchen

2 Menschen

Strecke

1800 km

Kalender

6 Monate

 


 

Wir reiten ans Meer!

Entstanden ist diese Idee Anfang 2016. Also irgendwann an einem grauen Tag im Januar, als wir gerade in Freiburg beim MUNDOLOGIA-Festival saßen und uns Vorträge von Menschen angehört haben, welche total tolle Dinge gemacht haben. Manche haben auch nur mittelmäßig tolle Dinge gemacht, aber dennoch war das Fernweh in mir geweckt! Mal wieder! Ich spiele nämlich nicht zum ersten Mal mit dem Gedanken irgend einen großen Trip zu machen. Das letzte Mal ging es gemeinsam mit Steffen und einem Packpferd für 3 Wochen nach Schweden in die Wildnis.

Diesmal soll es aber ans Meer gehen! Zu Beginn unserer Planungen war die Atlantikküste von Spanien unser Ziel. Während unserer Reise haben wir beschlossen, Spanien nur für ein paar Tage zu besuchen und die letzte Etappe unserer Tour in Frankreich zu laufen. Mit 2 Pferden sind wir ca. 1800 km in 6 Monaten durch 3 Länder gelaufen! Hier eine grobe Version unserer Route:

 

 

Unser Weg führte uns vom schönen Konstanz am Bodensee zuerst einmal nach Freiburg im Schwarzwald. Das war unser erstes Etappenziel, da dort die Eltern von Steffen wohnen und wir eine längere Pause dort machen wollten. Das zweite größere Etappenziel war Vachères en Quint, ein sehr ländlich gelegenes Dörfchen inmitten der Berge des Vercors. Steffens Onkel hat dort einen Bio-Ziegenbauernhof. Wir lieben diesen Flecken Erde und es war ein gigantisches Gefühl seinen Onkel zu Fuß mit unseren Pferden zu besuchen. Auch dort haben wir eine längere Pause eingelegt. Anschließend ging es weiter Richtung Pyrenäen. Es war schon immer mein Traum, diese wunderschönen Berge zu bereisen. Dass ich das erste Mal mit meinem Pferd dort sein würde, hätte ich nie zu Träumen gewagt. Die Zeit in den Pyrenäen war eine der schönsten auf unserer Tour – die Berge und die Landschaft ist einfach der absolute Hammer dort – gleichzeitig war es aber auch die schlimmste Zeit auf unserer Tour, da es viele schlimme Ereignisse gab. Was dort passiert ist erzählen wir in diesem Blogeintrag. Anschließend haben wir beschlossen unsere Route abzuändern und statt an die Nordküste von Spanien, an die Westküste von Frankreich zu laufen. So führte uns unsere letzte Etappe durch die traumhaften Pinienwälder der Llandes, entlang auf sandigen Wegen, bis wir schließlich bei Contis les Bains das Meer und somit unser Ziel erreichten!

 

Unsere Route in Etappen:

Freiburg im wunderschönen Schwarzwald!

Wir lieben den Schwarzwald, zudem wohnen Steffens Eltern dort. Gleich zwei Gründe eine etwas längere Pause dort einzulegen.

Traktor

Vachères en Quint!

Das wohl schönste Dorf in Südfrankreich! Zumindest finden wir das. Dort wohnt Steffen’s Onkel, Jochen mit seiner Frau Oda auf einem super schönen Ziegenbauernhof in den Bergen. Eigentlich liegt der Hof nicht direkt auf unserer Route, aber wir wollen dennoch dort ein paar Tage Pause einlegen und die beiden besuchen.

Pyrenäen

Die Pyrenäen – ein kleines Paradies!

Bisher kannten wir die Pyrenäen beide nur von Fotos und Videos. Es war ein großer Traum von uns diese wunderschönen Berge einmal persönlich kennenzulernen. Unser Fazit: Dieses Gebirge ist absolut atemberaubend und mit keinem Gebirge in Deutschland zu vergleichen! Wir waren vom ersten Tag an verliebt in diese Berge!

Die Llandes und das Meer!

Steffen hatte von den endlosen, weichen sandwegen in den Llandes geschwärmt, welche er aus einem Urlaub kannte. Spätestens da war mein Feuer entfacht, diese malerische Gegend ebenfalls kennenzulernen. Endlose Sandwege, Dünen und eine kilometerlange Küste mit Sandstrand zeichnen dieses Gebiet aus. Es hätte kein malerisches Ziel unserer Reise geben können.

 

Die tatsächlich gelaufenen Kilometer weichen von den von Google Maps geplanten Kilometern natürlich etwas ab, da wir zum einen immer wieder kleine Umwege in Kauf nehmen mussten, um große Straßen oder Städte zu umgehen und uns zum anderen auch hin und wieder verlaufen hatten 😉 So etwas sollte man bei der Planung seiner Route auf jeden Fall berücksichtigen.

Den Jakobsweg hatten wir versucht so gut es ging zu meiden. Nicht weil wir ungern den Jakobsweg laufen wollten, sondern weil dieser demaßen touristisch erschlossen war, dass es für uns fast unmöglich wurde dort eine Unterkunft bei einem Bauern zu finden. Die Bauern erklärten uns, dass sie täglich unzählige Anfragen für eine Übernachtungsmöglichkeit erhielten. Dementsprechend abweisend und verschlossen waren sie und verwiesen uns oft ohne viele Worte zu verlieren zur nächsten Gite (Unterkunft/Herberge). Da wir für unsere Tour nur ein geringes Budget hatten konnten wir uns tägliche Übernachtungskosten einfach nicht leisten und versuchten von nun an den Jakobsweg zu meiden. Zudem wollten wir ja gerne die Einheimischen kennenlernen und nicht einfach in irgend einem Hotel übernachten.

Oft fragt man uns, ob wir eher kleine, malerische Wege gelaufen sind oder auch viel Straße laufen mussten. Fakt ist, wenn man ein Ziel zu einem Zeitpunkt X erreichen möchte, ist man oft gezwungen den direkten Weg zu wählen, was nicht selten eine Teerstraße ist. Wenn man vorwiegend auf kleinen Feldwegen laufen möchte, sollte man 60% mehr Zeit einplanen, als einen Google Maps vorschlägt, sonst wird man sein Ziel zum Zeitpunkt X nicht erreichen. Oder noch besser: Man nimmt sich gar kein Ziel vor, dann kann man nämlich einfach jeden Tag den Weg wählen, der am schönsten aussieht.

 

So haben wir unsere Strecke pro Tag berechnet:

Strecke Gesamt: 1550 km (laut Google Maps) + ca. 30% Puffer (Umwege, Sackgassen,…) = 2015 km

Zeit Gesamt: 6 Monate (183 Tage)

 

Strecke pro Tag auf Ebenen (50%): 20 km

Strecke pro Tag in Gebirgregionen (50%): 10 km

Ruhetage pro Monat: 4 Tage (x5 Monate = 20 Tage – der 6. Monat fällt raus, da wir insgesamt 1 Monat für Pausen eingeplant haben, siehe Punkt darunter)

Reservetage (z.B. Zwangspausen bei kleineren Verletzungen,…): 14 Tage

Ruhetage in Vachères en Quint (Steffens Onkel): 7 Tage

Zeit am Zielort: 7 Tage

 

Reittage gesamt: 135 Tage

Ruhetage gesamt: 48 Tage

 

In unserer Rechnung gehen wir davon aus, dass wir ca. 50% auf fast ebenen Strecken reiten werden und ca. 50% in Gebirgregionen bzw. hügeligem Gelände. Damit ergibt sich eine Distanz von durchschnittlich 15 km an Reittagen.

135 Tage x 15 km = 2025 km

Fazit: Die Strecke von 2000 km sollte also machbar sein in den 6 Monaten!

 

Wie viele Kilometer sind wir pro Tag gelaufen?

Durchschnittlich haben wir 15km Strecke pro Tag geplant, um in den 6 Monaten unser Ziel zu erreichen. Diesen Durchschnittswert konnten wir auch ganz gut halten. An Tagen, an denen alles glatt lief und wir gut voran kamen haben wir ca. 20-30km Strecke gemacht. Das waren die Tage mit idealem Laufwetter, Pferde-geeigneten Wegen und keinen Zwischenfällen. Es gab aber auch die Tage, an denen die äußeren Faktoren nicht so ideal waren, z.B. weil es aus Kannen schüttete, viel zu heiß war oder Max nur noch drei Eisen hatte. Zudem hatten wir uns immer wieder verlaufen oder konnten Wege nicht nehmen, weil sie für Pferde ungeeignet waren. An solchen Tagen kamen wir 5-10km voran. Auch die Zeit welche man zum Einkaufen benötigt sollte man nicht unterschätzen – in die Stadt reinlaufen, Einkaufen, aus der Stadt rauslaufen – das hat jedes mal mehr Zeit gefressen als wir uns zuvor vorstellen konnten. Außerdem möchte man ja auch einfach mal einem schönen Platz verweilen, ohne direkt weiter hetzten zu müssen um noch seine täglichen 30km zu schaffen.

Wir empfehlen jedem bei der Routenplanung lieber zu viel, als zu wenig Puffer einzuplanen. Man möchte dieses Abenteuer ja genießen und nicht von Start A zu Ziel B zu hetzen. Auch Ruhetage sind ein wichtiges Element auf solch einem langen Ritt. Sowohl wir als auch die Pferde haben die Ruhetage genossen, um unsere Energiereserven aufzuladen. Es war schön einfach mal einen Tag nicht packen zu müssen, die Seele in der Hängematte baumeln zu lassen und den Pferden beim Grasen zuzukucken. Wir haben schlussendlich deutlich mehr Ruhetage gemacht als geplant, weil es einfach schön war, einen tollen Ort ausgiebig zu genießen oder in Ruhe seine Ausrüstung zu reparieren. Durchschnittlich haben wir alle 4-5 Tage einen Ruhetag gemacht.

Auf die von Google Maps empfohlenen Kilometer haben wir 20% aufgeschlagen, da nicht jeder Weg oder jede Gegend die Google vorschlägt auch für Pferde geeignet ist. So muss man immer wieder kleinere und größere Umwege in Kauf nehmen um Straßen und Städte zu umgehen. Und manchmal passiert es auch, dass man sich verläuft oder plötzlich nicht mehr mit den Pferden weiter kommt, weil ein Baum, eine Brücke oder sonstige Hindernisse den Weg versperren.

 

Ein Ziel? Ja oder nein?

Unterwegs hatte ich mir viele Gedanken dazu gemacht, ob es klug ist ein örtliches Ziel zu haben. Die Vor- und Nachteile sind wohl recht eindeutig.

Vorteile ein örtliches Ziel zu haben:

  • Man hat etwas worauf man hinarbeiten kann
  • Es gibt einem eine Richtung vor
  • Es hilft bei der täglichen Entscheidung in welche Himmelsrichtung man läuft 😉
  • Man ist stolz wie Harry, wenn man sein Ziel erreicht hat

Nachteile ein örtliches Ziel zu haben:

  • Es kann einen unter Druck setzten, insbesondere wenn man durch äußere Faktoren nicht so schnell voran kommt wie geplant
  • Man wählt oft den direkteren, statt den schöneren Weg
  • Man verweilt an Orten die man schön findet nicht so lange wie man eigentlich gerne wollen würde
  • Man hat kein richtiges Ende seiner Reise
  • An manchen Tagen fühlt man sich eventuell etwas orientierungs und planlos

 

Ich muss ehrlich gestehen, dass es uns oft unter Druck gesetzt hat unser Ziel am Meer zu erreichen. Insbesondere in Momenten, in denen es nicht nach Plan lief und wir in Zeitverzug gerieten, z.B. wenn etwas am Packsystem kaputt ging, es geflickt werden musste oder wir einen riesen Umweg laufen mussten. Dann kam es durchaus vor, dass die Stimmung kippte und man mit Druck versuchte die verlorene Zeit wieder gut zu machen. Das ist natürlich doof und würde ich die Tour heute wieder machen, würde ich mir entweder kein örtliches Ziel vornehmen oder doppelt so viel Puffer einplanen. Denn: Der Weg ist das Ziel!

Wie war es am Ziel anzukommen? Hierüber berichten wir euch in dem Blogeintrag „Ankunft am Ziel – das Meer„.